Gesundheitlich angeschlagen

Der Gesundheitssektor blieb auch im Jahr 2006 hinter anderen Branchen zurück. Ähnliches gilt für die Jahre davor. Beliebter sind Branchen wie Rohstoffe, Energie oder Umwelttechnik. Investments zum Thema Gesundheit dürften dagegen eher zu den Ladenhütern zählen. Zu Recht oder eher eine Gelegenheit für den konträren Investor?

Natalia Siklic, 05.01.2007
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Stockender Produktnachschub

Gründe für das schwache Abschneiden von Gesundheitsaktien gegenüber anderen Branchen sind nicht schwer zu finden: Schwächen in der Forschung, drohende Patentabläufe für milliardenschwere Umsatzträger und die Konkurrenz durch günstiger herzustellende Generika haben den Investoren den Appetit an Big Pharma & Co verdorben. Ein Beispiel lieferte der Pharmariese Pfizer, der vor kurzem klinische Studien an einem vermeintlich viel versprechenden Cholesterin-Medikament überraschend einstellte. Auch 2007 stehen für viele Branchenvertreter Patentverluste bei Blockbuster-Medikamenten an. Während die Biotechnologiebranche gegenüber den als schwerfällig geltenden Platzhirschen der traditionellen Pharmaindustrie durch mehr Dynamik un

d Forschungserfolge punktet, sind die Gewinne hier weiterhin dünn gesät – sieht man von den vereinzelten großen Erfolgsgeschichten wie Genentech oder Amgen ab. Da trifft es sich gut, dass die großen Pharmaunternehmen über ausreichend gefüllte Kassen und Biotechfirmen über die entsprechenden Hoffnungsträger in der Pipeline verfügen. Der Trend hin zu Übernahmen und Einlizenzierungen, d.h. der Erwerb von Medikamentenrechten, dürfte damit anhalten. Übernahmeziele sind kleinere Biotech- und Pharmaunternehmen.

Auch viele Fondsmanager wenden sich den aufstrebenden Bereichen des Gesundheitswesens verstärkt zu. Entsprechend ist der Anteil von Biotech, Generika- und Spezialtherapeutikaherstellern im Steigen begriffen. An der Gesundheitsbranche haben die traditionellen Pharmakonzerne mit über 60% der Marktkapitalisierung dennoch weiterhin den Löwenanteil. Biotechnologie macht etwa 10% aus. Der gesamte Gesundheitssektor ist mit rund 11% in globalen Vergleichsindizes wie dem MSCI Welt vertreten. Anleger mit Anteilen an regional breit aufgestellten Fonds werden also bereits in Gesundheitstiteln investiert sein und sollten eine zusätzliche Beimischung nur erwägen, wenn sie besonders positive Erwartungen für die Branche hegen. Sie gilt zwar als defensives, konjunkturunabhängiges Investment – Gesundheitsleistungen werden schließlich immer nachgefragt. Anleger müssen dennoch ausreichend Risikotoleranz mitbringen, denn die Entwicklung von Medikamenten ist mit hohen Kosten und Risiken verbunden. Fehlschläge sind auch in späten Entwicklungsstadien nicht auszuschließen.

Weitere Gefahr droht aus der Politik. Regierungen sind bestrebt, die Gesundheitskosten einzudämmen. Der Sieg der Demokraten bei den US-Kongresswahlen beunruhigt die Branche zusätzlich, da neue Medikamentenpreiskontrollen auf dem weltweit einträglichsten Pharmamarkt die Folge sein könnten.

Lichtblicke

Angesichts soviel schlechter Nachrichten stellt sich die Frage, ob es auch Positives zu vermelden gibt. Die demographischen Trends und steigende Gesundheitsausgaben in den Schwellenmärkten sprechen für die Branche. Strittig ist, wie Aktionäre davon profitieren können. Anhand der Bewertungen erscheinen die traditionellen Pharmakonzerne als nicht teuer. Dafür sorgte nicht zuletzt die schwache Kursentwicklung. Andererseits ist auch das Gewinnwachstum zurückgegangen. Festzustellen bleibt zumindest, dass die Gesundheitsbranche Gewinnmargen erwirtschaftet, die andere Sektoren deutlich in den Schatten stellen. Die Unternehmen selbst betrachten dies als Ausgleich für ihre Forschungs- und Entwicklungsrisiken. Höher als die Ausgaben für Forschung und Entwicklung fallen allerdings die Kosten für Marketing und Vertrieb aus. Diese machen geschätzte 20-30% des Umsatzes aus. Branchenbeobachter sehen hier viel Potential für Einsparungen, die den Investoren zugute kommen könnten, so auch Thomas Bucher, Fondsmanager des DWS Pharma Aktien Typ O. (Zum Interview mit dem Fondsmanager geht es hier.)

Für Lichtblicke sorgen auch einzelne Unternehmen. Optimistisch sind die Morningstar-Aktienanalysten beispielsweise für die Schweizer Novartis. Als Gründe führen sie an, dass hier weniger Umsatzträger von ablaufenden Patenten bedroht sind als bei der Konkurrenz und das Unternehmen über eine robuste Pipeline mit Medikamenten in späten Entwicklungsphasen verfügt. Daneben verweisen sie auf das starke Standbein im Generikageschäft und die günstige Bewertung.

Fondspalette

Die Morningstar Kategorie mit Schwerpunkt Gesundheit bringt es auf ca. 50 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Fonds, darunter größtenteils aktiv verwaltete Investments mit unterschiedlicher Mischung aus Pharma und den wachstumsträchtigeren Subsektoren (hauptsächlich Biotechnologie, Spezialpharma, Medizintechnik oder Krankenversicherer). Auch einige kostengünstige passive Strategien finden sich in der Palette. Bei Branchenprodukten, die zu den teureren unter den aktiv gemanagten Fonds gehören, stellen die Gebühren ein wichtiges Auswahlkriterium dar. Allerdings sollte man daran denken, dass manche Index- (wie im übrigen auch aktive) Produkte auf Europa bzw. Euroland beschränkt sind (z.B. Dow Jones STOXX(SM) 600 Healthcare(EX), Dow Jones EURO STOXX(SM) Healthcare(EX)). Zudem dürfte die teilweise hohe Konzentration nicht nach jedermanns Geschmack sein, da sich dadurch eine relativ starke Abhängigkeit von einigen wenigen Unternehmen ergibt. Ein Blick ins Portfolio bzw. auf den abgebildeten Index sollte daher nie fehlen.
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