Zumindest einen Rekord brechen ETFs im Jahr 2020 nicht

Ein spektakuläres Investment-Jahr treibt das Wachstum der ETF-Branche. Etliche mittlere Anbieter holen auf. Inzwischen machen Indexfonds rund 20 Prozent der Langfristfonds in Europa aus.

Ali Masarwah 15.01.2021
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Der europäische ETF-Markt unter der Lupe

Börsengehandelte Indexfonds haben die Eine-Billion-Euro-Marke im Jahr 2020 geknackt. Zum Jahres-Ende stellte die ETF-Branche den Rekord auf, der noch im ersten Quartal undenkbar bzw. kurzfristig unerreichbar erschien, als das verwaltete Vermögen per Ende März auf unter 800 Milliarden Euro absackte. Die furiose Aufholjagd an den Aktienmärkten, vor allem jedoch das Neugeschäft, haben die Branche in neue Höhen getrieben.  

Wie aus unseren Absatzschätzungen hervorgeht, sammelten börsengehandelte Indexfonds knapp 103 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein. Demgegenüber bewirkten die steigenden Märkte nur einen Vermögenszuwachs von knapp 26 Milliarden Euro. Damit wurde allerdings 2020 der Rekord des vergangenen Jahres verfehlt, als sich das Neugeschäft auf den Rekordwert von 106 Milliarden Euro summierte. Schuld daran waren die Abflüsse auf dem Höhepunkt der Coronakrise. Im ersten Quartal hatten ETFs Abflüsse von 4,3 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der Vertrieb schnellte jedoch bereits ab dem zweiten Quartal in die Höhe und erreichte die Marke von 33 Milliarden Euro. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres sammelten ETFs gut 44 Milliarden Euro ein. 

Das meiste Geld ging Aktien-ETFs zu - 53,3 Milliarden Euro, gefolgt von Anleihen-ETFs, die Zuflüsse in Höhe von 36,9 Milliarden Euro verbuchten. Gemessen an ihrer Größe – Aktienprodukte machen 64 Prozent des ETF-Markts in Europa aus – war das Wachstum der Rentenseite überproportional groß. 

Rohstoff-Indexprodukte, einschließlich Rohstoff-ETCs, verzeichneten Neugelder in Höhe von knapp 13,5 Milliarden Euro; das meiste Geld floss in Gold-Produkte. 

Inzwischen machen Indexfonds knapp 21 Prozent des europäischen Markts für Langfristfonds aus. Knapp die Hälfte davon steckt in ETFs, die damit einen Marktanteil von rund zehn Prozent am europäischen Fondsmarkt haben. 

Tabelle: Die ETF-Zuflüsse nach Asset-KlasseDer ETF Markt in Europa auf Ebene der grossen Anlageklassen

 Daten per 31.12.2020, Quelle: Morningstar

Mit Blick auf die beliebtesten ETFs nach Fondskategorie zeigt die Absatzbilanz, dass das Jahr 2020 kein normales war: Gold-Produkte, die typischerweise in Krisenzeiten gefragt sind, konnten mit gut 13 Milliarden Euro das meiste Geld einsammeln, gefolgt von globalen Standardwerte-ETFs, die typischerweise den MSCI World oder FTSE World abbilden. Allerdings waren zwei der fünf Top-Seller in der Kategorie Tracker-Produkte auf den Nachhaltigkeits-Index MSCI World SRI. Das zeigt, dass auch im Indexfondsbereich der Nachhaltigkeits-Trend anhält. 

Hoch im Kurs waren 2020 auch Aktien-Technologie-ETFs und – eine handfeste Überraschung! – ETFs für RMB-Anleihen. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit der größten Nachfrage 2020Die beliebtesten Fondskategorien 2020

 Daten per 31.12.2020, Quelle: Morningstar

Die hohe Nachfrage nach China-Bond-ETFs war kein marktbreites Phänomen: ETFs für lokale Schwellenländer-Währungen mussten die höchsten Abflüsse hinnehmen. Im vergangenen Jahr waren auch Eurozonen Aktien-ETFs sowie USA Value-ETFs unbeliebt. Die Abflüsse aus weltweit investierenden Reits-ETFs illustrieren, dass zyklische Branchen im Zuge des Konjunktureinbruchs einen schweren Stand hatten. 

Interessant ist der Kontrast zwischen dem Jahrestrend und den Mittelflüssen im Dezember: Im Zuge des steigenden Optimismus‘ der Investoren in den letzten Monaten des Jahres legten gerade die zyklischen Branchen zu – so auch USA-Value ETFs, die über das gesamte Jahr unbeliebt waren, aber im Kontext des wachsenden Konjunkturoptimismus im Dezember hohe Zuflüsse verbuchten. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit der größten Nachfrage 2020Die unbeliebtesten Fondskategorien 2020 

 Daten per 31.12.2020, Quelle: Morningstar

Kommen wir nun zu den größten Anbietern. Diese Geschichte ist schnell erzählt. IShares ist unverändert der größte Anbieter und hat seinen Vorsprung vor der Konkurrenz dank Zuflüssen von gut 51 Milliarden Euro im Jahr 2020 verteidigt. Der Marktanteil der BlackRock-Tochter lag per Ende Dezember bei 44,3 Prozent nach 44,4 Prozent per Ende 2019. 

Xtrackers, der ETF-Arm der DWS, sammelte 13,3 Milliarden Euro einsammeln und verteidigte den zweiten Platz. Der Marktanteil der Deutsche-Bank-Tochter legte leicht von 10,6 auf 11,0 Prozent zu. Lyxor liegt unverändert auf Rang drei, jedoch vergrößerte sich der Abstand zu Xtrackers aufgrund eher bescheidener Mittelzuflüsse von knapp 600 Millionen Euro. Inzwischen liegt die UBS mit einem verwalteten Vermögen von 67 Milliarden Euro nicht weit hinter den Franzosen. Auch Amundi und Vanguard befinden sich ebenfalls in Sichtweite. Konnte man bis 2020 vom Triumvirat von iShares, Xtrackers und Lyxor sprechen, bietet sich derzeit der Betriff Hexarchie an. 

Im Jahr 2020 musste übrigens keiner der größten zehn ETF-Anbieter – WisdomTree bietet vor allem Rohstoff-ETCs an – Abflüsse hinnehmen. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten zehn ETF-Anbieter 2020Die Tabelle zeigt die groessten ETF Anbieter

 Daten per 31.12.2020, Quelle: Morningstar

Ein letzter Blick auf die beliebtesten und unbeliebtesten ETFs im Jahr 2020. Bemerkenswerterweise konnte der iShares China CNY Bond ETF knapp fünf Milliarden Euro netto einsammeln. Damit war er der erfolgreichste ETF am europäischen Markt im vergangenen Jahr. Zwei Gold-ETCs von iShares und Invesco konnten jeweils über vier Milliarden Euro an Nettoneugelder einwerben. Bemerkenswert waren die Vertriebserfolge eines Clean Energy ETF sowie des iShares MSCI USA SRI. Das illustriert, dass sich der Klimawandel auch im Investmentverhalten von ETF-Investoren manifestiert. 

Die höchsten Abflüsse musste dagegen ein Renten-ETF für lokale Schwellenländerwährungen hinnehmen. Bemerkenswerterweise zählten auch S&P 500 ETFs von Lyxor, iShares und Xtrackers zu den Produkten mit den höchsten Abflüssen. Ein Multi-Faktor ETF der UBS musste ebenfalls kräftig Federn lassen. Er lag damit im Trend: Auch andere Multi-Faktor-ETFs mussten 2020 Rückgaben verkraften, ein Zeichen dafür, dass Anleger offenbar keine große Neigung haben, auf die zumeist komplexen Faktor-Produkte zu setzen.

Tabelle: Die ETFs mit den höchsten Zu- und Abflüssen 2020Die beliebtesten und unbeliebtesten ETFs 2020

 Daten per 31.12.2020, Quelle: Morningstar

 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich