Schwerer Stand für Technologiefonds

Die Anlegerlieblinge der New Economy waren nicht unter den Spitzenreitern der vergangenen zwei Jahre. Die hohe Volatilität ist ihnen geblieben.

Natalia Siklic, 16.01.2006
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Als im Jahr 2003 die Erholung an den Aktienmärkten einsetzte, erlebte auch die stark gebeutelte Technologiebranche einen zweiten Frühling. Erste Warnungen vor einer neuen Überhitzung kamen auf. In 2004/05 war die Kursentwicklung schon weniger erfreulich. Im vergangenen Jahr waren Energie- und Rohstoffaktien gefragt, die Technologiebranche entwickelte sich insgesamt schwächer als der Gesamtmarkt. Mitverantwortlich dafür waren Branchenschwergewichte wie Oracle, Cisco, IBM und Dell, die das Jahr im negativen Terrain beendeten. Eindrucksvoll war dagegen die Wertentwicklung des relativen Börsenneulings Google oder auch die von Apple. Dem Computerhersteller mit dem Erfolgsprodukt iPod gelang es mittlerweile, den Konkurrenten Dell anhand des Börsenwerts zu überflügeln.

Derzeit ist von st

eigenden Technologie-Ausgaben von Seiten der Unternehmen, aber auch der Verbraucher die Rede. Als zukünftige Wachstumstreiber gelten Internet und Mobilfunk. Der Markt für Unterhaltungselektronik brummt. Die Anbieter setzen auf die Konvergenz digitaler Anwendungen: Durch die Breitbandübertragung sollen Telefon, Internet und Fernsehen zu einem Produktbündel verschmelzen.

Technologieaktien sind berüchtigt für ihre hohen Bewertungen. Unsere amerikanischen Kollegen halten auf Basis ihrer Einschätzung des fairen Unternehmenswerts dennoch einige Branchenschwergewichte für unterbewertet. Dazu zählen Microsoft und Oracle aus dem Software-Bereich oder Dell auf der Hardware-Seite. Für zu teuer halten sie dagegen die Aktien von Google oder Apple.

Schwankungsanfällig

Die Branche ist vielen als Geldvernichter in Erinnerung, zumal zahlreiche Anleger erst einstiegen, als die Kurse schon schwindelnde Höhen erklommen hatten. Über die Risiken dürfte sich daher kaum jemand mehr Illusionen machen: Technologie ist einer der volatilsten Sektoren. Misst man das Risiko an der Standardabweichung, so lag die Schwankungsbreite von Technologiefonds mit 34% in den letzten 5 Jahren deutlich über den 17% globaler Aktienfonds. Die Ausgaben für Technologie bewegen sich mit dem Konjunkturzyklus. Die Branche ist schnelllebig, Neuentwicklungen lassen bestehende Produkte rasch veralten. Was ein Unternehmen heute nicht auf den Markt bringt, hat morgen die Konkurrenz parat.

Die Risiken eines Einzelinvestments lassen sich durch Fonds reduzieren. Doch erwirbt man auch mit einem Branchenprodukt in der Regel ein relativ konzentriertes Portfolio. Die 10 größten Portfoliopositionen decken mehr als die Hälfte des Fondsvermögens ab, die Abhängigkeit von der Entwicklung einzelner Aktien ist entsprechend hoch. Dies gilt umso mehr für Fonds, die sich auf einen Subsektor innerhalb der IT-Branche spezialisieren (z.B. Internet). In ihrer regionalen Struktur sind Technologiefonds stark auf US-Aktien ausgerichtet. Für den Euroanleger ergeben sich damit recht hohe Dollar-Risiken. Andererseits beheimatet auch Asien viele IT-Unternehmen, was in Zukunft in den Branchenportfolios stärker zum Ausdruck kommen dürfte. China ist bereits vor den USA zum größten globalen Technologieexporteur aufgestiegen. Technologielastig sind zudem die Börsen von Taiwan und Korea oder auch Indien, wo die Software-Branche eine hohe Bedeutung hat.

Technologie von globalen Aktienfonds abgedeckt

Globale Aktienfonds legen durchschnittlich 10% der Anlegergelder in Techunternehmen an. Eine noch höhere Gewichtung bieten Growthfonds (15%): Technologie ist eine klassische Growthbranche mit überdurchschnittlichen Wachstumserwartungen, meist verbunden mit hohen Bewertungen.

Die meisten Anleger, die bereits einen weltweiten Aktienfonds im Depot liegen haben, dürften mit Technologiewerten ausreichend versorgt sein. Ein langfristig angelegtes Brancheninvestment als Beimischung sollte nur in Betracht ziehen, wer hohe Erwartungen an die Technologiebranche hegt und eine ausgeprägte Risikotoleranz mitbringt.

In manchen Anlegerdepots dürften sich ohnehin noch einige „Altlasten“ verstecken, denn die Technologiebegeisterung Ende der 90er Jahre brachte zahlreiche Fonds zum Thema TMT (Technologie, Medien, Telekom) hervor. Zwar hat sich der ein oder andere als nicht sehr langlebig erwiesen, doch können Anleger in Deutschland weiterhin aus rund 100 Produkten wählen. Das Etikett „Technologie“ oder „TMT“ ist ihnen zwar allen gemeinsam, wird aber im Portfolio recht unterschiedlich umgesetzt.

Hauptsächlich in die Blue Chips der Branche investiert beispielsweise der Clariden Technology Equity Fund. Der Large Cap-Anteil liegt aktuell bei über 70%. Als Berater fungiert die in Boston ansässige Wellington Management. Ein erfahrenes 6-Personen-Team um Fondsmanager Scott E. Simpson stellt ein kompaktes Portfolio von etwa 40 Unternehmen zusammen. Sie bevorzugen derzeit Software und Dienstleister gegenüber Hardware-Produzenten. Das Hauptgewicht liegt auf US-Titeln (80%). Daneben finden sich asiatische Unternehmen wie der koreanische Elektronikriese Samsung im Portfolio. Auf Sicht von 5 Jahren einer der erfolgreicheren Techfonds, wobei die Schwankungsbreite allerdings ebenfalls über dem Durchschnitt lag. Eher hoch sind auch, wie bei vielen Branchenfonds üblich, die Gebühren. Für die jährlichen Verwaltungskosten werden 2% des Fondsvermögens fällig.

Etwas andere Wege geht der Carmignac Infotech. Fondsmanager Rajesh Varma bedient sich stärker bei Small und Mid Caps und setzt weniger auf amerikanische als vielmehr auf asiatische Technologietitel, auf die knapp die Hälfte der angelegten Gelder entfällt. Neben seinem Engagement in den Schwellenländern mischt der Fondsmanager auch Unternehmen aus den Bereichen alternative Energietechniken, Biotechnologie oder Wasseraufbereitung bei. Varma steuert den Fonds seit 2002 und konnte ihn in diesem Zeitraum im vorderen Bereich seiner Vergleichsgruppe positionieren. Der Fonds punktete im Kategorievergleich zudem mit einer relativ geringen Schwankungsanfälligkeit.

Ebenfalls etwas breiter gefasst wird das Technologiethema im M&G Global Technology. Auf TMT-Unternehmen liegt das Schwergewicht, doch finden sich im Portfolio auch die Branchen Konsumgüter (Samsung) oder Geschäftsdienste wieder. An Marktkapitalisierung ist die gesamte Bandbreite vertreten, auf Mid und Small Caps lag in 2005 das Schwergewicht. Die regionale Aufteilung weicht von der Vergleichsgruppe ab, „nur“ 40% sind in den USA angelegt, der Rest teilt sich auf Europa und Asien auf. Der Fonds wird seit Sommer 2005 von Aled Smith verwaltet, der u.a. ein globales Aktienprodukt bei M&G steuert. Davor war Greg Kerr am Ruder. Ergebnis über drei Jahre war ein Platz im oberen Viertel der Kategorie „Branchen: Technologie“. In den Baisse-Jahren 2001-02 schlug sich der Fonds schlechter als das Branchenbarometer MSCI World Information Technology, im vergangenen Jahr konnte er sich dagegen deutlich davon absetzen.
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