Osteuropafonds im Höhenflug

Osteuropa macht von sich reden: Die EU-Osterweiterung beflügelt die Phantasie derjenigen Anleger, die angesichts der Aufholjagd der Neumitglieder und EU-Beitrittskandidaten steigende Kurse an den regionalen Aktienmärkten erwarten.

Natalia Siklic, 11.06.2004
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In Russland honoriert die Börse die politische und wirtschaftliche Stabilisierung sowie den hohen Ölpreis, der für sprudelnde Einnahmen sorgt.

Dem rosigen Bild stehen natürlich einige Risiken gegenüber, v.a. im Hinblick auf Russland. Zu nennen wäre die übermäßige Abhängigkeit des Landes vom Öl oder auch die politischen Belastungsproben, wie sie bei der Krise um das Ölunternehmen Yukos nur allzu deutlich wurden. Die Nachbarstaaten haben die Marktschwankungen in Russland oft – wenn auch in geringerem Ausmaß – nachvollzogen. Ansonsten herrscht dort ebenfalls kein Mangel an möglichen Risikoquellen: So sorgen die Leistungsbilanz- und Budgetdefizite in Ungarn und Tschechien für Kopfzerbrechen. Dieses sollte sich nicht zuletzt auch der interessierte Anleger machen, bevor er in Osteuropa

investiert.

Zwar sind die osteuropäischen Aktienmärkte noch relativ klein – die größte Marktkapitalisierung bietet Russland, wobei Energiewerte den Index dominieren und noch keine echte Branchenvielfalt vorhanden ist – doch gibt es bereits zahlreiche Fonds für diejenigen, die ein Engagement in der Region wagen wollen.

Regionale Schwerpunkte beachten

Die entsprechende Morningstar Kategorie enthält derzeit 79 Fonds. Die Bandbreite reicht von reinen Länderfonds (in der Regel Russland) bis hin zu Regionenfonds, die verschiedene regionale Schwerpunkte setzen. Anhaltspunkt dafür ist nicht nur der offizielle Vergleichsindex des Fonds, sondern auch der Spielraum des Fondsmanagements, davon abzuweichen. So kann der Fondsname bei größeren Freiheiten schnell an Aussagekraft verlieren. Manche Osteuropafonds fokussieren sich auf die Konvergenzstaaten, während andere Russland prominent gewichten oder auch die Türkei berücksichtigen. Schaut man in die Vergangenheit, so lagen in den letzten 5 Jahren diejenigen Fonds vorne, die v.a. auf Russland setzten, gefolgt von Tschechien und Ungarn. 2003 profitierten auch Fonds, die türkische Aktien hielten. Selbstredend sagt dies noch nichts über die zukünftige Entwicklung der einzelnen Märkte aus. Deutlich wird dennoch: Die regionale Ausrichtung hat einen erheblichen Einfluss auf die Fondsrendite.

Auch die Größe des Fonds spielt eine wichtige Rolle: Fonds mit hohen Volumina sind angesichts des kleinen Anlageuniversums und der geringen Liquidität der entsprechenden Aktien mit Vorsicht zu genießen. Größere Zeitverzögerungen bei der Abwicklung von Transaktionen und eine erhebliche Bewegung der Kurse sind oft die Folge. Unter Umständen muss das Fondsmanagement zunehmend auf riskantere Nebenwerte ausweichen.

Konvergenzstaaten versus Russland

Betrachtet man zunächst die Länderfonds, so gibt es mit dem DWS Russia und dem Magna Russia zwei reine Russlandfonds, die mangels dreijähriger Historie noch kein Rating erhalten haben. Seit Auflage konnten beide den russischen Gesamtmarkt übertreffen. So erzielten sie über ein Jahr eine Rendite von 42 bzw. 45%. Mit einer Managementgebühr von 2% für den DWS Fonds und 1,75% für das Produkt von Charlemagne Capital (in beiden Fallen zuzüglich einer erfolgsabhängigen Vergütung) fallen sie allerdings teurer aus als die regional breiter diversifizierten Osteuropafonds und sind natürlich auch mit einem höheren Risiko behaftet.

Unter den breit aufgestellten Osteuropafonds, die ca. zur Hälfte in Russland investieren, haben sich in den letzten drei und fünf Jahren - gemessen an der reinen Wertentwicklung - der Griffin Eastern European Fund, der Magna Eastern European Fund und der ADIG European Emerging Markets am besten geschlagen. So erreichte der Fonds von Griffin Capital Management, eines Spezialisten für Osteuropa, in den genannten Zeiträumen eine Wertsteigerung von 106 bzw. 225%. Berücksichtigt man allerdings auch, dass das Fondsmanagement dabei ein höheres Risiko eingegangen ist als die unmittelbaren Konkurrenten, so fällt er in der Gesamtbeurteilung wieder hinter den beiden anderen Fonds zurück. Unter Kostengesichtspunkten fällt der ADIG Fonds positiv auf, dessen Managementgebühr von 1,5% leicht unter dem Kategoriedurchschnitt liegt.

Für Anleger, die in den nächsten Jahren von den osteuropäischen Konvergenzstaaten eine bessere Entwicklung erwarten als von Russland, macht es durchaus Sinn, sich unter denjenigen Fonds umzusehen, die nur begrenzt oder gar nicht in russische Aktien investieren. Eine Russlandquote eher am unteren Ende der Bandbreite haben beispielsweise der dit-Osteuropa mit derzeit ca. 30% oder der Vontobel Eastern European Equity mit 14%. Angesichts einer Dreijahresrendite von 45% und 51% und eines leicht unterdurchschnittlichen Risikos sind sie derzeit im Mittelfeld der Gesamtkategorie zu finden.

Der Aviva European Convergence Equity Fund verzichtet dagegen ganz auf Russland. Trotz seiner Beschränkung auf die neuen EU-Mitglieder und die EU-Beitrittskandidaten (wobei er zusätzlich bis zu 20% in Unternehmen investieren kann, die einen Großteil ihrer Gewinne in Osteuropa erwirtschaften), konnte er über 3 Jahre mit 73% eine Rendite über dem Kategoriedurchschnitt der Osteuropafonds erzielen.

Ein Zeichen dafür, dass die Fondsrendite zwar zum größten Teil durch die regionale Ausrichtung bestimmt wird, aber eine gute Titelauswahl diese hin und wieder sogar überlagern kann.
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Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BezeichnungKursVeränderung (%)Morningstar Rating
DWS Russia LC EUR Acc68,04 EUR-40,00
Mori Eastern European A EUR436,77 EUR10,68

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