Julius Bär steigt nach Signa-Pleite aus Private Debt-Geschäft aus

Die Aktie des Schweizer Bankhauses gewinnt nach Vorlage der Quartalsergebnisse am Vortag im frühen Morgenhandel rund 2,3%.

Johann Scholtz 02.02.2024
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Julius BaerJulius Bär (BAER) verzeichnete das schlechteste Halbjahresergebnis seit über zehn Jahren: das Engagements bei der angeschlagenen Immobiliengruppe Signa zwang das Unternehmen in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 in die Verlustzone. Wir begrüßen jedoch die entschlossenen Schritte, die Julius Bär unternommen hat, um das Problem anzugehen. Julius Bär (Wide Moat) kündigte eine vollständige Wertberichtigung des verbleibenden Gesamtengagements bei Signa in Höhe von 606 Millionen Franken an und beabsichtigt, sich vollständig aus dem so genannten Private-Debt-Lending-Geschäft zurückzuziehen, zu dem das Signa-Engagement gehört. Das Finanzinstitut bestätigte außerdem, dass CEO Philipp Rickenbacher zurücktreten wird. Die solide zugrunde liegende Performance und die unveränderte mittelfristige Prognose finden wir ermutigend. 

Julius Bär ist unseres Erachtens keinem wesentlichen Kreditrisiko ausgesetzt, und die Wertberichtigungen für Kreditausfälle hatten in der Vergangenheit nur einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Erträge. Zwischen 2009 und 2022 betrugen Wertberichtigungen für Kreditausfälle im Durchschnitt 0.04% des Kreditportfolios und waren damit die mit Abstand niedrigsten aller von uns untersuchten Banken in Europa. Traditionell dominieren Schweizer Hypotheken und durch Kundenportfolios besicherte Kredite, sogenannte Lombardkredite, den Kreditbestand. Der Saldo des Private Debt-Buchs macht nur etwa 2% des gesamten Kreditbuchs aus. Selbst wenn Julius Bär das gesamte Private Debt Exposure abbauen muss, wird die Bank weiterhin sehr gut kapitalisiert sein.

Reputationsschaden belastet

Wir sind jedoch weit weniger besorgt über die zukünftige Kreditqualität als über den Reputationsschaden, den Julius Bär erlitten hat. In der Vergangenheit hatte Julius Bär einen grundsoliden Ruf bei vermögenden Kunden. Dieser Ruf machte Julius Bär auch zu einem attraktiven Arbeitgeber für Kundenbetreuer mit großem Kundenbestand. 

Der Ruf des Unternehmens war so gut, dass es in der Regel von Kundenzuflüssen profitierte, wenn seine Wettbewerber unter finanziellem Druck standen. Die solide Reputation von Julius Bär stützt daher auch unsere Ansicht, dass das Unternehmen von immateriellen Assets profitiert. Wir werden unsere Fair-Value-Schätzung von CHF 65 pro Aktie und unser Wide-Moat-Rating überprüfen, um die neuesten Informationen zu berücksichtigen.

Unter Ausklammerung der enttäuschend hohen Wertberichtigungen für Kreditverluste wies Julius Bär ein einigermaßen solides Ergebnis aus. Die Gebühreneinnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5%, da sie von einem Netto-Neugeldzufluss in Höhe von CHF 5 Milliarden (2% der verwalteten Vermögen) und stabilen Gebührenmargen profitierten. Während Julius Bär für das Jahr 2024 mit tieferen Zinssätzen rechnet, dürfte die zinsabhängige Marge bei den Kundenvermögen stabil bleiben.

Das Finanzinstitut erwartet, dass sich die Verlagerung von Girokonten zu Termingeldern verlangsamen wird und die Unterstützung durch den Rollover-Effekt der Treasury-Anlagen anhält. Der Betriebsaufwand ging leicht zurück. Wir begrüßen die Entscheidung, keinen neuen Aktienrückkauf anzukündigen, obwohl die die Kapitalquote über dem Zielwert liegt. In Anbetracht der gegenwärtigen Umstände scheint dies eine umsichtige Entscheidung zu sein. Die Dividende blieb unverändert.

Wichtige Morningstar-Kennzahlen für Julius Bär

•Fair Value Schätzung: 65 CHF

• Morningstar Rating: 4 Sterne

• Morningstar Economic Moat Rating: Wide

• Morningstar Economic Moat Rating: High

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Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BezeichnungKursVeränderung (%)Morningstar Rating
Julius Baer Gruppe AG47,93 CHF-0,66

Über den Autor

Johann Scholtz  ist Aktienanalyst bei Morningstar.