Nachhaltigkeitsfonds verkaufen sich auch in Zeiten von Covid-19 blendend

Im zweiten Quartal 2020 hat sich der Absatz von Nachhaltigkeitsfonds in Europa beschleunigt. Vermögenswerte erholen sich ebenfalls nach dem Einbruch im ersten Quartal. Indexfonds auch im ESG-Bereich im Vorwärtsgang.  

Ali Masarwah 31.07.2020

Nachhaltigkeitsfonds waren auch im zweiten Quartal die Produkte der Wahl für viele Investoren in Europa. Wie aus den Morningstar-Absatzschätzungen hervorgeht, konnten langfristige Fonds mit Nachhaltigkeitsmandat im zweiten Quartal Netto-Neugelder in Höhe von 54,6 Milliarden Euro anziehen gegenüber knapp 26 Milliarden Euro im Vorquartal. Die organische Wachstumsrate, welche die marktbedingte Veränderung beim Fondsvermögen außen vor lässt, belief sich auf 58 Prozent gegenüber dem Ende des Vorquartals. 

Indexfonds konnten im zweiten Quartal netto knapp 15 Milliarden Euro einsammeln, was 27 Prozent des Neugeschäfts ausmachte. Im ersten Quartal hatte der Anteil der Indexfonds an den Nettozuflüssen nur bei 15 Prozent gelegen.  

Wie aus der unteren Tabelle hervorgeht, waren ESG-Aktienfonds besonders erfolgreich im Vertrieb. In den Monaten zwischen April und Juni sammelten sie netto 31,3 Milliarden ein. Der Nettoabsatz von konventionellen Aktienfonds belief sich im zweiten Quartal indes nur auf gut 20 Milliarden Euro. Auch bei Mischfonds waren ESG-Produkte sehr erfolgreich: 7,3 Milliarden Euro gingen ESG-Mischfonds zu, während konventionelle Mischfonds 8,8 Milliarden Euro einsammelten. 

Anders sah es bei Rentenfonds aus. Hier dominierten konventionelle Fonds, deren Absatz sich im zweiten Quartal auf knapp 89 Milliarden Euro belief gegenüber 16,6 Milliarden, die ESG-Rentenfonds zugingen. Im Gegensatz zu ESG-Aktienfonds haben ESG-Rentenfonds noch keine lange Historie, und entsprechend ist das Angebot an Produkten deutlich geringer als das an konventionellen Rentenfonds.

Insgesamt sammelten nachhaltige Fonds knapp ein Drittel der Zuflüsse des gesamten europäischen Fondsuniversum ein - 54,6 Milliarden Euro von 165,0 Milliarden Euro. 

Tabelle: Nettoabsatz im zweiten Quartal: ESG-Fonds versus konventionelle Fonds

Auch das in langfristigen ESG-Fonds investierte Vermögen erholte sich in den vergangenen Monaten nach dem Corona-Schock im ersten Quartal. Das in europäischen nachhaltigen Fonds verwaltete Vermögen stieg im zweiten Quartal auf 774 Milliarden Euro nach 645 Milliarden Euro per Ende des ersten Quartals, ein Anstieg um 20 Prozent.

Insgesamt machten damit ESG-Fonds 8,4 des europäischen Markts für Langfristfonds aus. Damit blieb der Marktanteil konstant gegenüber Ende März, als der Anteil der ESG-Fonds am gesamten Fondsmarkt ebenfalls bei 8,4 Prozent gelegen hatte. 

Passive Fonds machten zum Halbjahr 25 Prozent des europäischen ESG-Fondsmarktes (ohne Geldmarktfonds) aus, gegenüber nur 14 Prozent vor fünf Jahren. 

Tabelle: Das Wachstum von ESG-Fonds in Europa seit 2014 (Quartal für Quartal)

Im zweiten Quartal war BlackRock, einschließlich iShares, der erfolgreichste ESG-Fondsanbieter. Der weltgrößte Vermögensverwalter verbuchte Nettomittelzuflüsse in seine europäischen ESG-Fonds in Höhe von gut fünf Milliarden Euro. Knapp dahinter folgte die UBS mit Zuflüssen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro, die ebenfalls aktiv verwaltete Fonds wie Indexfonds ansteuerten. Credit Suisse und Quaestio folgten mit jeweils 2,2 Milliarden Euro an Zuflüssen. 

Die höchsten Abflüsse musste im zweiten Quartal J. Safra Sarasin mit 420 Millionen Euro hinnehmen. State Street musste Rückgaben in Höhe von 283 Millionen Euro verkraften; InsingerGilissen und ABN Amro sahen Rückgaben in Höhe von jeweils 132 Millionen Euro.

Tabelle: Die Anbieter mit den höchsten Zu- und Abflüssen in ESG-Fonds

Die vollständige Analyse "European Sustainable Fund Flows: Q2 2020 in Review" in englischer Sprache können Sie hier herunterladen.

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich.

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