Im September verkaufen Anleger Fonds in großem Stil

Gründe für die Verkäufe gibt es viele - Vermögen der aktiven Asset Manager bleibt ungeachtet hoher Abflüsse Dank der leicht steigenden Märkte stabil. Der Morningstar Asset Flow Bericht für europäische Fonds für den Monat September. 

Ali Masarwah 02.11.2018

Anleger reagieren bekanntlich nervös auf politische und auch wirtschaftliche Turbulenzen. Und von denen gab es im September genug: schlechte Nachrichten aus den Emerging Markets und der Eurozone, stark steigende Renditen in den USA und der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China. Das dürften einige Gründe gewesen sein, die Anleger dazu bewogen, sich von Fonds-Investments abzuhalten bzw. von Fonds zu trennen. Wie unsere Absatzschätzungen für den europäischen Fondsmarkt zeigen, haben sich Anleger sowohl von Langfrist-Investments als auch von Geldmarktfonds per Saldo getrennt. Langfristige Fondsanlagen verzeichneten im September Nettoabflüsse von 8,1 Mrd. Euro. Geldmarktprodukte mussten sogar Abflüsse von 19,5 Mrd. Euro hinnehmen.

Doch es gab noch andere Motive für das Verhalten der Investoren. Neben der erwähnten Risikoaversion dürften etliche Desinvestments auf die eher mäßige Bilanz vieler Fondsprodukte zurückgehen. So mussten alternative Fonds mit 7,4 Mrd. Euro die höchsten Abflüsse in einem Monat hinnehmen, seitdem wir 2007 anfingen, europäische Fund Flows auf Industrieebene zu erheben. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass in dieser Zahl Liquidations-Erlöse von einigen GAM-Fonds enthalten sind, so war es dennoch ein signifikantes Niveau. Auch Mischfonds verburchten erstmals seit Januar 2016 wieder Abflüsse. Rentenfonds mussten mit Rückgaben in Höhe von gut fünf Milliarden Euro ebenfalls wieder einmal einen schwachen Absatzmonat hinnehmen. Es ist kein Geheimnis, dass viele große Fonds in diesen Asset Klassen eine eher mäßige Performance in den vergangenen Jahren erzielt haben.  

Ein weiterer Grund für die Abflüsse dürfte auch auf den Abverkauf von aktiv verwalteten Fonds sein, der nicht durch die ansehnlichen Zuflüsse in Indexfonds kompensiert wurde. Dieser Trend ist nicht neu, hat sich jedoch in diesem Jahr weiterentwickelt, wie wir weiter unten sehen werden. Doch zunächst, zur Vervollständigung des Bildes, ein Blick auf die Entwicklung beim verwalteten Vermögen in Fonds in Europa.

In einem wichtigen Punkt gab es Entwarnung: Da sich sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte weiterhin in einer robusten Verfassung zeigten, blieb die Vermögensbasis der Fondsbranche stabil. Auch wenn die Geldflüsse negativ waren, so wirkten sich die (leicht) steigenden Märkte stabilisierend aus. Das in Langfristfonds investierte Vermögen blieb mit 8,64 Billionen Euro stabil nach 8.66 Billionen Euro zum 31. August stabil. Das in Geldmarktfonds verwaltete Vermögen betrug Euro 1,14 Billionen nach 1,17 Billionen Euro einen Monat zuvor. 

Tabelle: Vermögen und Mittelflüsse in europäische Fonds (inklusive ETFs)

 

Die bereits erwähnte Verschiebung von aktiven zu passiven Fonds hat sich im September mit wachsender Dynamik fortgesetzt. Aktiv verwaltete Fonds verzeichneten die höchsten Abflüsse in einem Monat seit Januar 2016, während Indexfonds (zu denen offene Indexfonds und Exchange Traded Funds gehören) die höchsten Zuflüsse seit Februar dieses Jahres verbuchten. Der Marktanteil der Index-Tracker stieg in den vergangenen 12 Monaten von 15,5 Prozent auf 16,7 Prozent. Das Indexfondsvermögen stieg in dem Zeitraum von 1,24 Billionen Euro auf 1,44 Billionen Euro. Vor allem dank der freundlichen Märkte legte das in aktiv verwalteten Fonds investierte Vermögen von 6,77 Billionen Euro auf 7,19 Billionen Euro im gleichen Zeitraum zu. 

Die anhaltende Erosion des Marktanteils aktiv verwalteter Fonds konnte somit durch steigende Volumina absolut gesehen kompensiert werden. Sollte die Marktvolatilität im vierten Quartal ansteigen und die Märkte in den verbleibenden Monaten des Jahres 2018 schwächeln, dürften aktive Manager dagegen zum Jahresende Schäden in der Bilanz verbuchen müssen. 

Die Aufschlüsselung nach breiten Kategorien zeigt, dass Aktien-Indexfonds die höchsten Zuflüsse seit Februar verzeichneten, während aktiv verwaltete Aktienfonds Abflüsse hinnehmen mussten, die jedoch deutlich unter dem Niveau des zweiten Quartals lagen. 

Auch Renten-Indexfonds setzten ihre Erfolgsgeschichte fort und erreichten mit 3,98 Mrd. Euro das höchste Zuflussniveau seit November 2017, während aktiv verwaltete Produkte Rückgaben im Umfang von 9,1 Mrd. Euro erlitten. Da diversifizierte und flexible Produkte die Hauptabflüsse trugen, dürfte die Diagnose, wonach Anleger ein billiges Markt-Exposure gegenüber unsicheren Alpha-Perspektiven vorziehen, zutreffend sein, wobei der Grundsatz, wonach viele Investoren Index-Investments in Zeiten tiefer Renditeniveaus zu riskant seien, offenbar so nicht mehr gilt. 

Die Wachstumssegmente der aktiven Fondshäuser schwächeln merklich

Für aktive Manager dürfte der Umstand, dass Misch- und alternative Fonds an Attraktivität eingebüßt haben, eine bedrohliche Note haben. Die stabile Nachfrage erlaubte es den aktiven Vermögensverwaltern bisher, sich von den Indextrackern abzuheben. Alternative Fonds und Mischfonds – selten zu Billigpreisen zu haben – waren seit der Finanzkrise die Wachstumstreiber der Fondsbranche in Europa. Das scheint sich zu ändern. Insbesondere viele Multi-Strategie-Fonds, aber auch Long/Short Bond Fonds haben die Erwartungen der Anleger enttäuscht. 

Am dramatischsten war die Anlegerflucht aus alternativen Fonds, welche die höchsten Abflüsse in einem Monat erlebten. Während mehr als die Hälfte der Rücknahmen auf die Liquidation von GAM Long-Short-Bondfonds zurückging, verkauften viele Investoren auch Multistrategiefonds, die bisher häufig den Renditeerwartungen nicht erfüllten. (Alternative Indexfonds erlitten Abflüsse von 560 Mio. Euro, aber hier handelt es sich zumeist um Trading-/Leveraged Funds, was eine andere Geschichte ist). 

Die Abflüsse aus Mischfonds resultierten im Wesentlichen aus überdurchschnittlichen Rückgaben von defensiven EUR-Mischfonds, die mit 1 Mrd. Euro an Abflüssen die höchsten Abflüsse seit Oktober 2008 erlitten. Dies ist auf Abflüsse aus mehreren großen Fonds von Invesco, CaixaBank und Amundi zurückzuführen. Aber die Probleme bei Mischfonds reichen weit über diese Fondskategorie hinaus. Das zeigt sich anhand der niedrigen Nachfrage nach den großen Blockbuster-Gruppen, etwa ausgewogene EUR-Mischfonds und flexible EUR-Mischfonds. Das Klima für die hochprofitable Asset Management-Branche wird rauer. 

Tabelle: Die Zuflüsse in die wichtigsten Langfrist-Gruppen nach aktiv-passiv Schema 

Die vollständige Version unseres Asset Flow Berichts für Europa im September, in dem wir auch die Absatzbilanz nach Fondskategorie und Fondsanbieter aufschlüsseln, finden Sie in englischer Sprache hier. 

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.