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Für ETFs war 2019 ein Jahr der Superlative

Verwaltetes Vermögen schießt gegenüber Ende 2018 um über 40 Prozent nach oben. Rekordzuflüsse treiben Wachstum ebenfalls deutlich voran. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für ETFs in Europa 2019.  

Ali Masarwah 06.01.2020

Wer glaubte, dass das Jahr 2017 einzigartig für ETFs sein würde, sah sich getäuscht. Das Geschäft mit börsennotierten Indexfonds hat in Europa im Jahr 2019 neue Höhen erreicht und das bisherige Rekordjahr deutlich in den Schatten gestellt. Sowohl die Mittelzuflüsse als auch das verwaltete Vermögen erreichten neue Höchststände. Gegenüber Ende 2018 stiegen die Vermögenswerte in ETFs von 658 Milliarden auf 923 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von über 40 Prozent. Dies geht aus den Morningstar-ETF-Daten per Ende Dezember 2019 hervor. 

Getragen wurde dieser Zuwachs von einem marktbedingten Anstieg der Vermögenswerte um gut 136 Milliarden Euro und Zuflüssen in Höhe von 107 Milliarden Euro. Organisch wuchsen börsennotierte Indexfonds (ohne Geldmarkt-ETFs) um knapp 16,5 Prozent. Zum Vergleich: aktiv verwaltete Fonds verbuchten ein organisches Wachstum von nur 1,1 Prozent in den zwölf Monaten per Ende November 2019. (Die Mitteflussdaten für aktiv verwaltete Fonds per Ende Dezember werden erst Mitte Januar final berechnet).

Getragen wurden die Zuflüsse im vergangenen Jahr vor allem von Aktien- und Renten-ETFs. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass Renten-ETFs höhere Zuflüsse verbuchten als ihre Aktien-Pendants, auch wenn das verwaltete Vermögen in Aktien-ETFs gut 2,5-mal so hoch ist wie das Vermögen in Renten-ETFs, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht. 

Tabelle: Die ETF-Absatzzahlen 2019

 

Wie stark sich die Gewichte im ETF-Vertrieb im vergangenen Jahr verschoben haben, zeigt die riesige Nachfrage nach Renten-ETFs, die ihre Absatzzahlen gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2017 mehr als verdoppelten. Anleger substituieren im aktuellen Niedrigzinsumfeld zum einen aktiv verwaltete Fonds in den Kern-Rentenmarkt-Segmenten (Staatsanleihen) mit günstigen Indextrackern, und zum anderen investieren sie zunehmend in hochverzinsliche ETFs wie Emerging Markets oder Junk Bonds. 

Demgegenüber lagt der Absatz von Aktien-ETFs 2019 deutlich unter dem 2017-er Niveau (61,5 Milliarden Euro). Rohstoff-Produkte, vor allem Gold-ETFs, waren zwar 2019 stark nachgefragt, doch auch hier lag der Absatz deutlich unter dem bisherigen Rekordjahr (hier: 2016). 

Der Profiteur des ETF-Booms 2019 war vor allem Marktführer iShares, der Zuflüsse von gut 49 Milliarden Euro verbuchte. Der Marktanteil der BlackRock-Tochter stieg von 43,25 Prozent per Ende 2018 auf 44,34 Prozent per Ende 2019. Der Marktanteil von Xtrackers, dem zweitgrößten Anbieter in Europa, sank von 11,26 Prozent auf nunmehr 10,66 Prozent. Auch der Marktanteil von Lyxor war im vergangenen Jahr rückläufig. Zulegen konnten indes die mittelgroßen Anbieter UBS und Amundi.   

iShares profitiert von Renten-ETFs, bei Xtrackers sind Swap ETFs gefragt

Dass der mit großem Abstand marktführende Anbieter in einem freundlichen Marktumfeld die höchsten Zuflüsse von allen ETF-Anbietern verbucht, erstaunt nicht. Einigermaßen überrascht allerdings die Struktur der Zuflüsse bei iShares: knapp 35 Milliarden Euro steuerten Renten-ETFs von iShares an, während Aktien-ETFs „nur“ 12,7 Milliarden Euro an Zuflüssen verbuchten. 

Die zweithöchsten Mittelzuflüsse verbuchte die Schweizer UBS, die in ihren europäisch beheimateten ETFs Zuflüsse in Höhe von knapp 14 Milliarden Euro verzeichnete. Knapp fünf Milliarden Euro sammelten dabei zwei ETFs ein, die den MSCI Emerging Markets und den MSCI All Country World Index abbilden. 

Amundi konnte 8,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr einsammeln. Das Haus hatte im Frühjahr 2019 Furore gemacht, als es eine Palette von bemerkenswert günstigen ETFs auf den Markt gebracht. Allerdings schlug sich dieser Nachrichten-Hit nicht wesentlich auf die Absatzzahlen nieder. Bei den einzelnen Produkten stach die Bilanz des Amundi IS MSCI Emerging Markets ETF ins Auge, der gut zwei Milliarden Euro einsammelte. Von den neuen Billigheimern war in den vordersten Regionen der Absatzliste des französischen Hauses indes wenig zu sehen. 

Der zweigrößte ETF-Anbieter in Europa, die DWS-Tochter Xtrackers, lag in der Absatzhitliste auf Rang vier. Aktien- und Renten-ETFs waren mit Zuflüssen von jeweils rund 3,5 Milliarden Euro am erfolgreichsten. Bemerkenswert ist, dass das zweitgrößte ETF-Haus in Europa von einer Renaissance von Swap-basierten ETFs profitierte. Zur Erinnerung: ETFs, die ihre Indizes mittels Derivategeschäften abbilden, galten in den vergangenen Jahren wegen vermeintlicher Risiken als mega-out. Es hat sich jedoch inzwischen herumgesprochen, dass Swap-basierte ETFs bei US-Aktien wegen der steuerlichen Behandlung von Dividenden Performance-Vorteile gegenüber physisch replizierenden ETFs haben. Der Xtrackers S&P 500 Swap ETF war im vergangenen Jahr der Absatzrenner bei Xtrackers mit Zuflüssen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. 

Indes musste der drittgrößte ETF-Anbieter Europas, Lyxor, einschließlich der jüngst übernommenen ComStage, Abflüsse hinnehmen, die vor allem aus Rückgaben von Aktien-ETFs zurückging. Lyxor konnte ebenfalls nicht vom Bond-ETF-Boom 2019 profitieren: Renten-ETFs mussten – wenn auch leichte – Abflüsse in Höhe von 100 Millionen Euro hinnehmen. Die Rückgaben von europäischen Aktien-ETFs, die in der Produktpalette von Lyxor dominieren, waren 2019 bei Investoren höchst unbeliebt und verhagelten den Franzosen entsprechend das Geschäft.

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten ETF-Anbieter 2019

Auf Kategorie-Ebene waren waren im vergangenen Jahr besonders solche ETFs beliebt, die globale und amerikanische Standardwerte-Indizes abbilden: Über 27,5 Milliarden Euro steuerten 2019 ETFs dieser beiden Kategorien an. Die herausragende Performance des US-Aktienmarktes, der Haupttreiber auch bei globalen Aktien-Produkten, erwies sich 2019 als Magnet. Ganz anders lief es für ETFs für deutsche Standardwerte. DAX-Tracker hatten auf Kategorie-Ebene mit Abflüssen von 4,3 Milliarden Euro die rote Absatzlaterne inne, gefolgt von ETFs für Eurozonen-Standardwerte sowie ETFs für französische Standardwerte.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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