Riskante Fonds sind im September gefragt

Ob global anlegende Aktienfonds oder Fonds für Schwellenländer-Anleihen: Anleger haben im September wieder das Risiko gesucht. 

Ali Masarwah 28.10.2019

Nachdem wir im ersten Teil des Mitteflussberichts auf die Absatzbilanz nach Asset Klassen eingegangen sind, kommen wir nun zum Absatz auf Ebene der Fondskategorien, der Anbieter und zur Vertriebsbilanz der großen Fonds am Markt. 

Ein Blick auf die absatzstärksten Kategorien zeigt eine starke Nachfrage nach globalen Standardwerte-Aktienfonds. Sie verzeichneten Netto-Neugelder in Höhe von fast 10,3 Milliarden Euro. Dies war das beste monatliche Absatzergebnis seit Juni 2017. Der UBS ETF MSCI ACWI war mit Zuflüssen von 3,3 Milliarden Euro der Topseller in dieser Kategorie.  

USA Standardwertefonds sammelten 5,4 Milliarden Euro ein, nachdem sie zwei Monate lang Nettoabflüsse verzeichnet hatten. Wieder einmal haben Anleger hier Indexfonds bevorzugt. Sie sammelten 6,1 Milliarden Euro ein, während die aktiven Pendants 720 Millionen Euro an Netto-Rückgaben hinnehmen mussten. Die stärkste Nachfrage verbuchte der Xtrackers MSCI USA ETF mit einem Absatz von 1,5 Milliarden Euro. Immer häufiger lernen Investoren die Vorteile Swap-basierte ETFs für USA-Aktien zu schätzen, die steuerliche Vorteile gegenüber physisch replizierenden Produkten aufweisen.  

Mit Zuflüssen von 2,2 Milliarden Euro lagen global anlegende, flexible Rentenfonds den dritten Platz unter den erfolgreichsten Kategorien. Mehr als die Hälfte der Nettozuflüsse Kategorie (1,16 Milliarden Euro) steuerten Europas größten aktiv verwalteten Fonds an, den Pimco GIS Income Fund.  

Unterstützt durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank waren EUR-Unternehmensanleihenfonds ein Hauptnutznießer der starken Nachfrage nach festverzinslichen Produkten, wobei sowohl aktiv verwaltete Fonds als auch Indexfonds erfolgreich waren im Vertrieb. iShares war der erfolgreichste Anbieter in dieser Kategorie.   

Dollar-Rentenfonds erleiden hohe Abflüsse

Im September wurden die höchsten Abflüsse bei diversifizierten USD-Anleihenfonds verbucht, die Netto-Rückgaben von fast 4,0 Milliarden Euro erlitten. Innerhalb dieser Kategorie mussten UBS-Fonds, die typischerweise im Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank eingesetzt werden, die höchsten Abflüsse verzeichnen - spiegelbildlich zu den oben erwähnten hohen Zuflüssen bei UBS-ETFs, was auf eine Asset-Allocation-Entscheidung beim Wealth Management der Schweizer Bank schließen lässt.  

Alternative Multi-Strategie-Fonds erlitten den 16. Monat in Folge Abflüsse. Neben den anhaltenden Abflüssen aus ASI Global Absolute Return Strategies (vormals SLI), der im September 500 Millionen Euro abgeben musste, waren die Rückgaben zu einem großen Teil durch die Abflüsse aus dem in Großbritannien ansässigen Invesco Global Targeted Returns Fund bedingt. 

Nach der Eskalation des Handelskrieges zwischen China und den Vereinigten Staaten, die Anfang August zu einer Korrektur einiger europäischer Börsen (insbesondere Paris und Frankfurt) führten, mussten Aktienfonds für französische Standardwerte als eine Milliarden Euro an Abflüssen verkraften. Damit war der abgelaufene September der elfte Monat in Folge mit Netto-Rückgaben. Dabei wurden im September 740 Millionen Euro aus dem Lyxor CAC 40 ETF abgezogen. 

 

Kommen wir nun zu den erfolgreichsten und den erfolglosesten Anbietern im September. Bei den aktiven Fondshäusern führte La Caixa die Liste bei den Zuflüssen an. Das spanische Haus erreichte damit das zweitbeste Monatsergebnis der vergangenen 18 Monate, was vor allem auf dem Verkauf des Caixabank Master RF Corto Plazo FI zurückzuführen ist, einem Euro-Kurzläufer-Rentenfonds, der nur in Spanien zum Vertrieb zugelassen ist.  

Mercer Global Investments verzeichnete kräftige Zuflüsse in seine Fonds für globale Standardwertefonds; der meistverkaufte Fonds des Hauses war der Multi-Asset Growth Fund, der netto 668 Millionen Euro einsammelte.  

Unter den passiven Anbietern wurde das Ranking von der UBS angeführt. Die aktienbasierten passiven Fonds des Schweizer Vermögensverwalters nahmen verbuchten im September mehr als 7,6 Milliarden Euro an Zuflüssen. 

Starke Zuflüsse verzeichnete iShares bei seinen USD-Staatsanleihenfonds (992 Mio. EUR) und britischen Large-Cap-Aktienfonds.

Die höchsten Abflüsse musste auf der aktiven Seite UBS Asset Management hinnehmen. Die Abflüsse von fast 4,5 Milliarden Euro spiegeln die oben angedeutete Asset-Allocation-Eentscheidung der Vermögensverwaltung der UBS wider, wo Aktien-ETFs gekauft und aktiv verwaltete Rentenfonds verkauft wurden. 

Invesco litt unter den Abflüssen seiner europäischen Large-Cap sowie seinen Multistrategy-Fonds . 

Auf der passiven Seite erlitt Scottish Widows Abflüsse von 250 Millionen Euro, io. EUR Netto-Rücknahmen das Ranking der Nachzügler unter den Fondsanbietern. Auch WisdomTree und State Street mussten Rückgaben von jeweils über 200 Millionen Euro hinnehmen.

Zum Schluss ein Blick auf die Absatzbilanz der größten aktiv verwalteten Fonds und der größten Indexfonds. Die Absätze beim Pimco GIS Income schnellten im September wieder nach oben, nachdem im Vormonat wegen der Risikoaversion der Anleger dieser risikoreiche Fonds Abflüsse hinnehmen musste. Der größte Langfristfonds in Europa sammelte netto 1,2 Milliarden Euro ein. Die höchste Nachfrage im September wurde in Anteilsklassen verzeichnet, die für Anleger im Dollar-Raum gegen Währungsschwankungen abgesichert sind. 

Auch der zweitgrößte Fonds Europas, der AP7 Aktiefond, ein schwedischer privater Pensionsfonds, verzeichnete eine solide Nachfrage, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als beim Pimco-Fonds. Dieser Aktienfonds ist die Standardoption für schwedische Angestellte, die einen Teil ihres Gehalts in diesen Fonds investieren, der in der ersten Säule verortet ist, also ein Teil des staatlich geförderten Rentensystems darstellt. 

Auch der Global Income Fund von JPMorgan, ein weltweit anlegender ausgewogener Mischfonds, setzte seine Aufwärtsentwicklung fort und zog netto 307 Millionen Euro an, wobei der Löwenanteil die auf USD lautende Aktienklassen ansteuerte. 

Die Abflüsse von 63 Millionen Euro, die aus dem Allianz Income and Growth erreichten den niedrigsten Stand seit Dezember 2018. Im bisherigen Jahresverlauf hat dieser Fonds aufgrund von Abflüssen 10,4 Prozent Vermögens per Ende 2018 verloren. 

Der größte ETF in Europa, iShares Core S&P 500 ETF, musste Abflüsse von 226 Millionen Euro hinnehmen, während der zweitgrößte ETF, Vanguard S&P 500 ETF, Zuflüsse von 277 Millionen Euro verzeichnete. USA-Aktien-ETFs, welche die Indizes physisch replizieren, haben in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Abflüsse hinnehmen müssen, da die Anleger zunehmend auf swapbasierte ETFs setzen, die steuerlich effizienter sind.

Die Absatzbilanz der größten aktiven und passiven Fonds (ohne Geldmarkt)

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.