Beim SMI liefern sich Credit Suisse und UBS ein Kopf-an-Kopf rennen

Unsere wöchentliche ETF-Spread-Analyse: Aktien-ETFs für Standardwerte Schweiz.

Ali Masarwah und Gordon Rose | 27-01-12 | Artikel schicken

Zum Selbstverständnis der ETP-Branche gehört es, Investoren einen günstigen Zugang zu allen möglichen Asset-Klassen anzubieten. In der Tat: Die ausgewiesenen Kosten sind bei den Indexprodukten im Vergleich zu denen aktiv verwalteter Fonds günstig. Während bei aktiv verwalteten Aktienfonds im Durchschnitt zuletzt Gesamtkostenquoten (TER, steht für Total Expense Ratio) von 1,81% jährlich angefallen sind, lagen die Kosten bei Aktien-ETPs 2011 im Schnitt bei 0,46% jährlich.

Doch das ist nur ein Teil des Bildes. Bei ETPs kommen Handelskosten hinzu, die im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen von aktiven Fonds sehr stark schwanken können und für die meisten Anleger weitgehend unbekannt sind. Insofern gibt die Gesamtkostenquote TER nicht das gesamte Bild der ETP-Kosten wider. (Lesen Sie hier mehr zum Thema "Kosten für ETP-Anleger").

 Um Anlegern ein besseres Bild über die Zusatzkosten von ETPs zu geben, liefern wir Ihnen jede Woche einen Überblick über den durchschnittlichen Spread einer ausgewählten Produktkategorie. In den ersten beiden Berichten haben wir uns die Spreads von ETFs für deutsche Standardwerte beziehungsweise Aktien-ETFs für globale Schwellenländer vorgenommen.

Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel entstehen. (Zusätzlich zu den Spreads fallen beim Börsenhandel Brokerkosten an, die von Bank zu Bank stark variieren können.)

Wie wir vorgehen: Wir prüfen den durchschnittlichen Spread, der an den vorangegangenen fünf Handelstagen in einer Auswahl an ETFs angefallen ist. Wir entscheiden uns dabei für den Börsenplatz in Europa mit den günstigsten Werten.

In dieser Woche haben wir uns Aktien-ETFs für schweizer Standardwerte vorgenommen. Erfasst wurde der Durchschnitt der Handelsspannen an den fünf Handelstagen 19. bis 25. Januar. Ausgewertet wurden die Kosten von 8 Produkten am europäischen ETF-Markt.

Sie finden in der Tabelle 8 ETFs, die 3 Indizes für schweizer Aktien abbilden, sortiert nach den niedrigsten Handelsspannen. Diese entscheidende Information finden Sie in der grün markierten Spalte (zweite von rechts) in der Tabelle unter der Überschrift „5-Tages-Durchschnitt“. Hintergrund: Wir wollten Tagesausreißer vermeiden und haben deshalb bei der Spread-Berechnung den Durchschnitt der zuletzt verfügbaren Handelsdaten verwendet. Den Durchschnitt der täglichen Spreads finden Sie weiter links in der Tabelle, Tag für Tag. Die Information, an welcher Börse die besten Werte berechnet wurden, finden Sie weiter links. Um zu verdeutlichen, wie wichtig es für Investoren ist, die Handelsspannen als Kostenfaktor in Rechnung zu stellen, haben wir nachrichtlich die Gesamtkostenquote der jeweiligen Fonds in der äußersten Spalte rechts aufgeführt.

 

Wie der Blick auf die Tabelle zeigt, dominieren die Schweizer Anbieter Credit Suisse und UBS den Markt mit voll replizierenden Produkten. Dass die Schweizer Häuser ihren Heimvorteil an der Schweizer SWX ausspielen, verwundert nicht. Die beiden Platzhirsche liefern sich hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der engste Spread wurde im Betrachtungszeitraum für den Credit-Suisse-ETF auf den SMI gestellt. Im Schnitt mussten Anleger für einen Trade nur drei Basispunkte bezahlen. Es folgt der UBS-ETF auf den SMI mit 8 Basispunkten. Das ist ein deutlicher Abstand.

Umgekehrt konnte der UBS-ETF auf den breiter aufgestellten SLI (steht für Swiss Leader Index) gegenüber dem Produkt von Credit Suisse punkten, wiederum mit großem Abstand. Mit einem Durchschnittsspread von 10 Basispunkten war der UBS-ETF SLI  um 9 Basispunkte günstiger als der CS-SLI-ETF. Verhältnismäßig zur jährlich anfallenden Gesamtkostenquote (TER) sind die Handelskosten der Top-3-Produkte, die alle den SMI abbilden, allesamt günstig.

Sollten Anleger also immer auf den SMI setzen? Das ist pauschal nicht zu beantworten, da sich die Indexwerte beim SLI und SMI zwar weitgehend überschneiden, die Gewichtungen dieser Aktien sich aber deutlich unterscheiden. Die Aktien von Nestlé, Novartis und Roche machen knapp 60% des SMI aus. Das Bild ist ganz anderes beim erst seit 2007 berechneten SLI, der Fonds eine Ucits-konforme Gewichtung ermöglicht. Hier sind die Gewichtungen der Top-Holdings Nestlé, Roche und Novartis auf unter 10% begrenzt. 

Und wie sieht das Bild jenseits der Platzhirsche aus? Mehr als nur einen Achtungserfolg erzielte der SMI-ETF von db-X-trackers, der mit einem Spread von 6 Basispunkten an der Borsa Italiana gehandelt wurde und sogar auf Platz zwei des Handelskostens-Rankings landet. Mit gebührendem Abstand folgen die beiden anderen deutschen Anbieter iShares und ComStage mit ihren SMI-Produkten. Sie kosteten jeweils 16 Basispunkte. 

Verhältnismäßig weit abgeschlagen ist der Amundi-ETF auf dem letzten Platz mit dem für Schweizer Verhältnisse eher exotischen MSCI Switzerland-Index. Er kostete im Beobachtungszeitraum 21 Basispunkte im Handel. Das ist insofern auffällig, als damit der teuerste ETF im Handel zugleich die günstigsten Verwaltungskosten aufweist. Das beweist einmal mehr, dass ein Blick auf die TERs beim Vergleich der Kosten von ETFs nicht ausreicht.

HINWEIS: Der tägliche Spread stellt den Durchschnitt aller Spreads während eines Handelstages dar. Die Berechnung basiert auf Echtzeitdaten. Zwischenberechnungen werden dann ausgelöst, wenn ein neuer Best-Ask oder Best-Bid erhalten wird. Solange es auch einen entsprechende Bid oder Offer an diesem Tag gibt, wird ein Spread berechnet. Im Umkehrschluss wird für Wertpapiere dann kein Spread berechnet, wenn es sowohl keinen Bid- als auch Offer-Preis gibt. Morningstar erfasst zudem die Zahl der Beobachtungspunkte.