Gesammelt, gefiltert, beantwortet: Ihre Fragen zu ETFs
Unsere ETF-Umfrage hat viele Leserfragen nach sich gezogen. Wir haben uns an die Arbeit gemacht.
1. Wie wirkt sich eine Anlage in physische versus synthetische ETFs steuerlich aus?
In dem Artikel: „Welcher ETF ist der steuerlich günstigste im ganzen Land?“ haben wir die steuerlichen Grundlagen einer ETF-Anlage skizziert. Wir wollten damit Ihnen ein besseres Verständnis für die steuerliche Behandlung von ETFs vermitteln. Eine genaue Analyse auf der Ebene des Einzelinvestors ist jedoch nicht möglich: Die steuerliche Situation ist individuell unterschiedlich - jeder Anleger ist steuerlich ein Einzelfall. Allerdings können wir Sie beruhigen: Generell werden im Zuge der Abgeltungssteuer Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen bei Privatinvestoren einheitlich besteuert.
2. Haben Aktien kleinkapitalisierter Unternehmen Vorteile gegenüber Standardwerten wie Siemens? Gibt es eine Studie, die untersucht, ob sich mit Nebenwerten Geld verdienen lässt?
Ja, wir haben darüber einiges Verfasst. Die Antwort - so viel sei vorweggenommen - muss differenziert ausfallen. Denn es geht um die Frage, in welchem Marktumfeld Nebenwerte am ehesten Standardwerte übertreffen, nicht darum, ob sie „immer“ besser performen – auch wir besitzen keine Glaskugel! 2011 haben wir untersucht, wann kleinstkapitalisierte Aktien, so genannte Small Caps, am ehesten Standardwerte outperformen, sowohl für den US-Markt als auch für den europäischen. Den Artikel auf Englisch finden Sie hier. Wir haben uns auch Mid Caps, also mittelgroße Unternehmen, angeschaut. Lesen Sie den (deutschsprachigen) Artikel hier.
3. Wie unterscheiden sich ETFs, die denselben Index Abbilden? Was hat es mit dem Tracking Error auf sich und wie hoch sind die Gesamtkosten einer ETF-Anlage?
Diese Frage hebt auf die Struktur von ETFs ab. Welche Typen von ETFs gibt es, und welcher Typ bildet einen Index besser ab? Wie gut welcher ETFs ist, hängt - wie könnte es anders sein - vom Einzelfall ab, genauer gesagt: vom Index, den der ETF abbildet. Im vergangenen Jahr haben wir einen Artikel verfasst, der die Struktur der verschiedenen ETFs genauer durchleuchtet. Darin besteht auch der Hauptunterschied in Bezug auf ETFs, die denselben Index abbilden. Den dazugehörigen Artikeln finden Sie hier.
Außerdem spielen die Kosten eines ETF eine wichtige Rolle mit Blick auf die Güte der Indexreplikation. Einen Artikel zu Kosten von ETFs finden Sie hier.
4. Wie werden Rohstoff-Indizes abgebildet und worin liegen die Risiken dieser Strukturen?
Bei Rohstoffprodukten gilt die Besonderheit, dass diese in Futures investieren. Der Artikel "Anlage in einzelne Rohstoffe" (lesen Sie den Artikel hier) beschäftigt sich mit der Konstruktion von Rohstoffprodukten. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Problematik des Rolleffekts zutage tritt, der Abweichungen vom Index mit sich bringet. Zum so genannten Contango-Phänomen finden Sie in diesem Artikel mehr. Darüber hinaus gibt es weitere Unterschiede zwischen den Rohstoffprodukten. Indexprodukte, die die Wertentwicklung von einzelnen Rohstoffpreisen oder -indizes nachvollziehen, sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen. Außerhalb der Schweiz sind die beliebten Gold- oder Öl-Produkte ETCs (steht für: Exchange Traded Commodities) also keine Sondervermögen. Dagegen sind breit diversifzierte Rohstoff-Körbe ETFs, also Sondervermögen. Es gibt allerdings eine Ausnahme bei der Struktur von einzelnen Rohstoff-Trackern: Edelmetall-Produkte, die in der Schweiz aufgelegt und auch nur dort zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Diese sind Sondervermögen nach Schweizer Recht und keine Inhaberschuldverschreibungen. Heute ist diese Unterscheidung für die Praxis allerdings zumeist nicht entscheidend, da auch ETCs mit physischen Werten besichert sind.
5. Welches sind die Risiken in derivatebasierten ETFs und wie funktioniert die Wertpapierleihe bei physischen ETFs?
Diese Frage berührt eine heute sehr kontrovers geführte Debatte. Auf einen knappen Nenner gebracht: Derivatebasierte ETFs, die den Index über Swap-Geschäfte abbilden, sind dem Zahlungsausfall-Risiko einer Bank, des Swap-Partners, ausgesetzt. Dagegen beinhalten physisch replizierende ETFs, die Wertpapierleihe betreiben, das Risiko, dass der Leihende ausfällt. Wie die Wertpapierleihe funktioniert und wie die ETF-Anbieter das Ausfallrisiko behandeln, haben wir Ende 2011 in einer einer Studie detailliert untersucht. Die Zusammenfassung der Erkenntnisse auf Deutsch finden Sie hier. Lesen Sie hier mehr über die Risiken von den so genannten Swap-basierten ETFs.
6. Wie erkenne ich ETFs, deren Fondsanteile Sondervermögen darstellen. Im Gegensatz zu ETFs mit Hebelwirkungen, oder Shortprodukte, ETCs und so weiter. Sagen Kennzahlen wie die Isins oder WKNs darüber etwas aus?
Nein, leider gibt es keinen Kniff, der einem auf den ersten Blick ermöglicht, die Natur eines Indexprodukts genau zu erkennen. Zwar muss die Tatsache, dass es sich bei einem Produkt um einen ETF, also um ein Sondervermögen handelt, künftig gekennzeichnet werden. Eine Kennung im Produktnamen, die eindeutig zwischen synthetischen und physischen Produkten unterscheidet, ist dagegen nicht zwingend vorgeschrieben. Über die künftige Regulierung von ETFs lesen Sie hier weiter.






