Die Esma lässt bei der ETF-Regulierung eben nicht Fünfe gerade sein
Europäische Regulierungsbehörde stellt nur klar, dass neue Regeln für alle Ucits-Fonds gelten werden.
Dieses Esma-Statement dürfte zunächst dazu beitragen, die Gemüter beruhigen. Denn die Debatte in der Öffentlichkeit (ja, inzwischen sind ETPs sogar ein Thema für die Öffentlichkeit geworden!) und auch in der ETP-Branche selbst über die derivativen Risiken in den Indexvehikeln sind in den vergangenen Monaten vollkommen aus den Fugen geraten. Auch entfacht durch die Medien hat die ETP-Branche mit ihrem teils öffentlich ausgetragenen Streit die Investorengemeinschaft verunsichert. Die sehr hohen Mittelabflüsse aus Swap-basierten ETF in diesem Jahr dürften auch auf diese bisweilen hysterisch klingende Debatte über systemische Risiken zurückgehen, in der das Wesentliche bei der ETF-Anlage unter die Räder zu geraten droht (lesen Sie auch unsere Anleitung für ETF-Anleger).
Erinnern wir uns: Die durchaus üblichen Sticheleien zwischen der Black-Rock-Tochter iShares und anderen Anbietern physisch replizierender ETF auf der einen und den Anbietern von Swap-basierten ETP auf der anderen Seite sind in diesem Jahr zu einem handfesten Streit eskaliert. Die Einlassung von Black-Rock-Chef Larry Fink, der im November die Anlage in Lyxor-ETF gleichsetzte mit dem Kauf unbesicherter Anleihen der französischen Großbank (und Lyxor-Mutter) Société Générale, darf als trauriger Höhepunkt bezeichnet werden.
Auch das endgültige Ende für den immer wieder angedachten ETP-Verband darf als Ausdruck des verloren gegangenen Konsens zwischen den Anbietern gelten, wonach man sich angesichts des Wachstumspotenzials für die gesamte Branche gegenseitig nicht die Augen auskratzen solle (beziehungsweise brauche). Vielleicht stammt dieser Konsens ja aus einer Zeit, in der es nicht 34 verschiedene Euro-Stoxx-50-ETF gab und nicht im Wochentakt neue Anbieter ihren Marktstart ankündigen? (Vor wenigen Tagen wurde der Antrag von Fidelity bei der SEC auf Zulassung von ETF in den USA ruchbar).
Zurück zur Regulierungsfrage. Wer sich die Auslassungen des Esma-Chefs näher ansieht, dem dann fällt auf, dass die Statemens streng genommen nichts Neues beinhalten - außer die Verschiebung der Vorlage von Regulierungsbestimmungen für die gesamte Fondsbranche auf Anfang kommenden Jahres. Die Esma hatte ursprünglich Ende dieses Jahres als Termin angekündigt.
Man sollte deshalb nicht die wohlfeil klingenden Statements Maijoors so interpretieren, dass die Regulierungskeule nunmehr in die Asservatenkammer der Esma verfrachtet wurde. Die Regulierung von ETF wird vielmehr nur in den Kontext eingebettet, in den sie gehört, nämlich in den Zusammenhang der gesamten Fondsbranche. Derivate werden standardmäßig in allen Fonds eingesetzt, egal, ob es sich um einen ETF handelt oder um einen aktiv verwalteten Fonds. (ETF sind in diesem Zusammenhang heute sogar wesentlich transparenter als ihre aktiven Gegenspieler!)
Angesichts der Tatsache, dass die Wertpapierleihe ebenson Teil dieser neuen Regeln sein wird, wie die Frage, wie der Begriff „komplexe Produkte“ zu fassen sei, bringt weder iShares und Co. Entwarnung, die Wertpapierleihe in großem Stil betreiben, noch db X-trackers und Co., die Swappen, was das Zeug hält.
Außerdem hat sich die Esma durchaus noch ein Hintertürchen für eine strengere Regulierung von ETF offen gelassen: Maijoor hatte Ende November auch angekündigt, dass sich „nur einige“ der neuen Regeln speziell auf ETF beziehen würden. Das bedeutet nichts anderes, als dass mögliche Vertriebseinschränkungen für ETF nicht vom Tisch sind. Denn ein Anleger, der über die Börse einen ETF kauft, erhält nicht anlegerrelevante Informationen im selben Umfang wie ein Käufer eines aktiv verwalteten Fonds, der über seine Bank mit Prospektmaterial überhäuft wird. (Interessanterweise hat die deutsche Aufsicht Bafin am 5. Dezember die Qualität vieler Produktinformationsblätter zu Fonds als „oberflächlich“ und „zu wenig verständlich“ kritisiert).
Übrigens: Die Diskussion innerhalb der EU-Kommission über die Frage, was ein komplexes Produkt sei, ist ebenfalls noch im Gange. Der Ausgang der Debatte wird sich im Regelwerk „Mifid II“ niederschlagen – und einen wesentlichen Einfluss darauf haben, welche Produkte aus dem beratungsfreien Vertrieb (execution only) herausgenommen werden. Denn die EU-Kommission hat für sich eine Konsequenz aus den für Anleger schädlichen Folgen der Finanzkrise gezogen: es gilt, die Privatanleger zu schützen. Die Diskussion um Vertriebseinschränkungen komplexer Produkte wird uns deshalb noch längere Zeit begleiten.






