Mischfonds – hat sich Flexibilität ausgezahlt?

Während 2018 ein unruhiges Börsenjahr für Anleger war, war das Jahr 2019 bislang von einer Erholung an den Märkten geprägt. In einem derart wechselvollen Marktumfeld stellt sich Anlegern wieder die grundlegende Frage, ob sich Mischfonds, die im Vergleich zu Aktienfonds die Möglichkeit besitzen, je nach Bedarf in sichere und risikoreichere Anlagen umzuschichten, ausgezahlt haben.

Barbara Claus 02.09.2019

Für unsere Auswertung schauen wir uns drei Fondskategorien an: Flexible globale Mischfonds, ausgewogene globale Mischfonds sowie zum Vergleich globale Large-Cap Aktienfonds und die jeweiligen Vergleichsindizes. Auf den ersten Blick scheinen die Mischfonds mit flexibler Strategie, laut Kategorie sind zwischen 0-100% Aktienexposure möglich, in den letzten Jahren von ihren Möglichkeiten nicht mehr Gebrauch gemacht zu haben als die ausgewogenen Fonds mit einer möglichen Bandbreite zwischen 35 und 65%.

Während die Aktienquoten der Mischfondskategorien mit 47,8% für die flexible Kategorie und 44,7% für die ausgewogene Kategorie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre nicht weit auseinanderliegen überrascht auch, dass die Bandbreiten der Aktienallokation mit ca 11% über die letzten fünf Jahre hinweg ähnlich ausfielen, die Quote bewegte sich bei flexiblen Mischfonds zwischen 41,4% und 52,6% und bei ausgewogenen Mischfonds zwischen 38,2% und 49,7%.

Während die gemischten Fonds langfristig ungefähr die Hälfte der Erträge eines reinen Aktienfonds erzielen konnten, fallen die kurzfristigen Ergebnisse über drei und fünf Jahre desaströs aus. Beispielsweise lieferten die Fonds in den letzten drei Jahren lediglilch 2,86% (ausgewogen) bzw. 2,59% p.a. ab (flexibel), während aktive globale Aktienfonds 8,05% erzielten und die Kategoriebenchmark der Mischfonds, bestehend aus 50% Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index und 50% FTSE World Index, mit 6,44% ebenfalls mehr als das Doppelte der Mischfondsperformance. Der durchschnittliche ausgewogene und flexible Mischfonds konnte also weder ansatzweise die Hälfte der Performance eines reinen Aktienportfolios erzielen, noch mit seiner Kategoriebenchmark mithalten.

In den letzten Jahren hat sich die Flexibilität der Mischfonds also ganz klar nicht ausgezahlt und zwar noch einmal deutlich weniger bei den flexiblen Fonds, was impliziert, dass der durchschnittliche Fondsmanager die höhere Flexibilität nicht zum Vorteil der Anleger genutzt hat.

Erklärungsansätze für das schlechte Abschneiden der Mischfonds

Da Mischfonds die Risiken in ihren Portfolios über verschiedene Anlageklassen streuen können, besteht zumindest die Möglichkeit, dass die niedrigeren Erträge als bei einem Aktienindex auch mit niedrigerem Risiko einhergegangen sein könnten. Hier gibt beispielsweise ein Blick auf die Sharpe Ratio, die die Erträge des Fonds ins Verhältnis zu seiner Standardabweichung setzt oder ein Blick auf den maximalen Verlust, den ein Anleger über einen gewissen Zeitraum erleiden musste, Aufschluss.

Doch auch die risikoadjustierte Betrachtung der Fonds bringt keine Erkenntnisse, die für die Gesamtheit der Mischfonds sprechen würden, da die Sharpe Ratios weit abgeschlagen von reinen Aktieninvestments und der gemischten Kategoriebenchmark liegen. Bevor Anleger jedoch nun auf die Idee kommen, gemischte Fonds generell zu verdammen, hilft ein Blick auf die Sharpe Ratios der Indizes, wobei der gemischte Index anhand der Sharpe Ratios über kurze und lange Zeiträume deutlich besser abschneidet als der reine Aktienindex. Es scheint also weniger am Konzept als an der Umsetzung zu liegen und hier gibt es gleich mehrere Gründe, die dabei helfen, die Underperformance der Fonds zu erklären.

Zunächst ist das typische Übergewicht der Fonds in Europa zu nennen, ein Markt der sowohl kurz- als auch langfristig hinter dem größten Benchmarkgewicht USA (mit ca. 60%), zurückgeblieben ist. Während Europa in der Aktienbenchmark nur einen geringen Anteil von 14% aufweist, war der durchschnittliche flexible und ausgewogene Mischfonds mit 33% bzw. 32% seines Aktienportfolios in Europa investiert.

Besonders gravierend machte sich dieser Effekt in den letzten 12 Monaten bemerkbar, die sowohl fallende Märkte als auch eine Erholung beinhalten. Hier zeigt sich, dass sich, auf Euro-Basis, europäische Aktien kaum vom Fleck bewegt haben, während sich US Aktien mit 12,5% exzellent entwickelt haben. Dieser enorme Performanceunterschied schlägt sich natürlich auch negativ in den Fonds mit Europa-Übergewicht nieder.

Ein weiterer Faktor ist die immer noch stark untergewichtete Duration im Anleihenbereich der Fonds. Während der Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index aktuell eine Duration von 7,4 Jahren aufweist, liegt die Duration bei den flexiblen Mischfonds im Durchschnitt bei 3,3 und bei den ausgewogenen Mischfonds bei 3,9 Jahren. Während die Euro Aggregate Bond Benchmark in den letzten zwölf Monaten 7,3% erzielen konnte, blieben die kürzeren Laufzeiten, beispielsweise die sehr kurz Variante des Index mit Papieren zwischen einem und drei Jahren Laufzeit mit nur 0,9% deutlich zurück.

Neben dem Europa-Übergewicht und der untergewichteten Duration, beides Ausrichtungen, die in den Fonds seit mehreren Jahren zu beobachten sind, gibt es darüber hinaus weitere Faktoren, die zu der generellen Underperformance der Mischfonds geführt haben. Typischwerweise trägt das flexible Management der Aktienquoten bei den meisten Fonds wohl weiterhin nicht positiv zum Gesamtergebnis bei. Vor allem in volatileren Märkten mit Trendbrüchen können sich die aktiven Manager zum Handeln verleitet fühlen, was aktive Performance für Anleger kosten kann.

Beispielsweise zeigte sich dieses Muster wieder in den Aktienquoten, die in den negativen Monaten, wie Oktober und Dezember 2018 sowie Mai 2019 im Kategoriedurchschnitt prozyklisch reduziert wurden, wodurch die Fonds Verluste realisierten und unterproportional von den darauffolgenden Erholungen, insbesondere im Januar und Juli 2019, profitierten. Besonders bei den flexiblem Mischfonds wurden die Aktienquoten in den negativen Monaten deutlich reduziert, beispielsweise von September auf Oktober 2018 von 51 auf 47%.

Insgesamt sind die Erklärungen für die stark unterdurchschnittliche Entwicklung der Mischfonds nichts Neues, das Europa-Übergewicht, die kurze Duration und Markttiming-Versuche erwiesen sich in den letzten 12 Monaten jedoch als besonders fatal.

Gemischte Portfolios sind nach wie vor sinnvoll, es kommt aber auf die Umsetzung an

Anleger, die in ein gemischtes Portfolio investieren möchten, was, wie der Rendite-Risiko-Vergleich zwischen dem reinen Aktien- und dem Mischfondsindex gezeigt hat, durchaus vorteilhaft ist, haben nun mehrere Möglichkeiten. Von der blinden Auswahl eines Mischfonds aus der Kategorie ist nach unserer Analyse abzuraten, da die Ergebnisse eines durchschnittlichen Fonds stark unterdurchschnittlich gegenüber einem gemischten Vergleichsindex ausfielen und auch risikoadjustiert ihre Vorteile nicht gegenüber einem reinen Aktieninvestment ausspielen konnten.

Fairerweise muss aber an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass sich das Europa-Übergewicht und die untergewichtete Duration nicht in allen Marktumfeldern negativ auswirken müssen, sondern sich der Trend hier durchaus auch umkehren kann. Das Argument mit dem Markttiming und die generelle Underperformance aktiver Manager gegenüber ihren Benchmarks nach Kosten bleibt jedoch im Zeitablauf bestehen.

Anleger können bei ihrer Fondsauswahl daher entweder gezielt nach einem qualitativ hochwertigen Mischfonds suchen, wobei unser Morningstar Analyst Rating helfen kann oder nach der Do-it-Yourself-Methode relativ einfach ein passives 50/50 ETF-Indexportfolio erstellen. Dieses erfordert jedoch eine regelmäßige Rebalancierung auf die Ausgangsgewichte und eine hohe Selbstdisziplin, damit sie nicht ebenfalls den Versuchungen des Markttimings erliegen.

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar