Aktiv verwaltete Aktienfonds: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Kosten von aktiv verwalteten Aktienfonds sind in den vergangenen Jahren gesunken. Ob das ausreicht, um den Aufstieg von Indexfonds auszubremsen, ist aber mehr als fraglich. Ein Blick auf den Kostentrend bei aktiv verwalteten Aktienfonds in den vergangenen Jahren.

Ali Masarwah 22.05.2019

Aktiv verwaltete Aktienfonds sind in Europa seit der Finanzkrise deutlich günstiger geworden. Wie aus einer aktuellen Auswertung von Morningstar hervorgeht, sind die Fondsgebühren seit Mai 2009 von durchschnittlich 1,91 Prozent auf 1,60 Prozent zurückgegangen. Das entspricht einer Kostenreduktion um knapp 16 Prozent. In der Untersuchung wurde der Datenpunkt „Repräsentative Costs ex Transaktion Fees“ ausgewertet. Er enthält wichtige Gebühren, die seit Inkrafttreten der EU-Richtlinie MiFid II von Fondsgesellschaften offengelegt werden müssen. 

Tabelle: Fondskosten ohne Transaktionskosten seit 2009

Neben den Management-Gebühren enthält diese Kostenquote auch die Fonds-Nebenkosten, etwa Depot- und Prüfgebühren, sowie die erfolgsabhängigen Gebühren, die ein Fonds dann erhebt, wenn eine vordefinierte Erfolgsmarke übertroffen wird. Nicht inkludiert sind hier die Handelskosten, die anfallen, wenn der Fondsmanager Wertpapiere kauft oder verkauft. 

Tabelle: Fondskosten mit Transaktionskosten seit Ende 2017

Die Kosten-Kurve von aktiv verwalteten Aktienfonds weist auch unter Einbeziehung der Handelskosten, ausgedrückt im Datenpunkt „Representative Cost Including Transaction Fees“, nach unten. Zwischen Ende Dezember 2017 und Ende April 2019 gingen die Fondskosten von total 1,90 Prozent auf inzwischen 1,84 Prozent zurück. Die Datenhistorie ist hier deutlich geringer als bei den Fondskosten ohne Transaktionsgebühren, da diese Daten von Fonds erst seit rund zwei Jahren erhoben werden und die Datenbasis erst seit Ende 2017 einigermaßen befriedigend ist. 

In die Untersuchung von aktiv verwalteten Publikumsfonds haben wir auch inzwischen liquidierte Fonds einbezogen, zu denen Fondskosten vorliegen. Es wurde der einfache Durchschnitt der ältesten Fondstranche der aktiv verwalteten Aktienfonds mit Domizil in Europa berechnet.

Die Management-Gebühren aktiv verwalteter Aktienfonds gehen deutlich zurück 

Wie aus unseren Daten weiter hervorgeht, sind alle Kostenkomponenten bei aktiv verwalteten Fonds auf dem Rückzug, allerdings in unterschiedlichem Maße. So sanken die Managementgebühren seit Ende 2017 von 1,19 Prozent auf 1,12 Prozent per Ende April dieses Jahres.  Entsprechend gingen auch die laufenden Gebühren, bei denen die Management-Gebühren den größten Block ausmachen, von 1,56 Prozent auf 1,44 Prozent recht deutlich zurück. Weniger ausgeprägt waren die Rückgänge bei den Transaktionsgebühren und den Performance-Gebühren. 

Das deutet darauf hin, dass die Manager aktiv verwalteter Fonds aktuelle vor allem bei der Management Fee den Rotstift ansetzen. Die Höhe der Transaktionsgebühren variiert stark nach Strategie, und die Performance-Gebühren sind entsprechend der Vertragsbedingungen fixiert, sodass diese beiden Kostenpositionen kurzfristig nicht so stark verändert werden können wie die Management-Gebühren. 

Die Indexfondsanbieter schlafen allerdings nicht

Es ist allerdings fraglich, ob die Gebührensenkungen bei aktiv verwalteten Aktienfonds zu einer grundsätzlichen Änderung der Nachfragesituation am Fondsmarkt in Europa führen werden. Denn auch passive Fonds haben in den vergangenen Jahren die Gebühren merklich gesenkt. Vor allem nichtbörsennotierte Indexfonds sind in Europa seit 2009 deutlich günstiger geworden. Deren Kosten (ohne Transaktionsgebühren) gingen von durchschnittlich 0,90 Prozent per Ende Mai 2009 auf 0,42 Prozent per Ende April 2019 zurück. Das ist mehr als eine Halbierung der Kosten. 

Die Kosten der ohnehin deutlich kompetitiver gepreisten ETFs gingen (ohne Transaktionskosten) von 0,42 Prozent per Ende Mai 2009 auf 0,35 Prozent per Ende April dieses Jahres zurück. 

Inklusive Transaktionskosten liegen die Kosten für nichtbörsennotierte Aktien-Indexfonds aus Europa bei 0,48 Prozent bei und bei 0,42 Prozent für europäische Aktien-ETFs. 

Seit dem zweiten Quartal 2009 konnten Aktien-Indexfonds in Europa Mittelzuflüsse von 452 Milliarden Euro verbuchen, während die Zuflüsse bei aktiv verwalteten Fonds in den vergangenen zehn Jahren mit 262 Milliarden Euro deutlich geringer ausfielen. Inzwischen beläuft sich der Marktanteil von Aktien-Indexfonds am gesamten Aktienfondsmarkt in Europa auf knapp 28 Prozent. Ende 2009 hatte die Quote noch bei 15 Prozent gelegen. 

Das Wachstum von Indexfonds wird nicht nur durch die bescheidene Performance von aktiv verwalteten Fonds seit der Finanzkrise befeuert, sondern auch durch regulatorische Veränderungen, die in weiten Teilen Europas den Vertrieb von Indexfonds begünstigen. In den Niederlanden und Großbritannien wurden Vertriebsfolgeprovisionen verboten, was heißt, dass der Vertrieb nicht länger aus den Verwaltungsgebühren der Fonds entlohnt wird, sondern Kunden eine separate Rechnung für die Beratung stellen muss. Entfallen Kickbacks, fehlt oft die Motivation, teure aktiv verwaltete Fonds zu vertreiben. 

Auch in der Schweiz sind Retrozessions-gestützte Vertriebsmodelle auf dem Rückzug, seitdem das Bundesgericht wiederholt festgestellt hat, dass Kickbacks an Wealth-Management-Kunden zu erstatten seien.

Fazit 

So begrüßenswert die aktuell zu beobachtenden Kostensenkungen bei aktiv verwalteten Aktienfonds also aus Sicht der Kunden sind, so stellt sich die Frage, ob diese Kostenreduktionen ausreichen werden, um das Rad zurückzudrehen. Noch immer weisen Aktien-ETFs weniger als ein Viertel der Kosten aus, die bei aktiv gemanagten Aktienfonds fällig werden. Da eine immer größer werdende Anleger-Community verstanden hat, dass tiefe Kosten das beste Rezept für den Anlageerfolg sind, dürften Indexfonds angesichts dieses preislichen Vorsprungs weiter auf der Überholspur bleiben.

 Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.