Aktienfonds erleiden im März hohe Abflüsse

Während Anleger auf der Bond-Seite erneut stark ins Risiko gehen, müssen Aktienfonds die höchsten Rückgaben seit Juni 2016 hinnehmen. Rentenfonds retten die Fondsbilanz im ersten Quartal. Der Morningstar Fondsabsatzbericht für Europa per Ende März.

Ali Masarwah 06.05.2019

Die Hoffnungen der Fondsbranche auf nachhaltig steigende Zuflüsse im Zuge des fulminanten Aktien-Comebacks im ersten Quartal haben einen herben Dämpfer erhalten. Nach zwei Monaten mit positiver Tendenz wurden im März Anteilsscheine von Langfristfonds in Höhe von 685 Mio. EUR zurückgegeben. Schlimmer noch: Diese Wende kam durch die höchsten Monats-Abflüsse aus Aktienfonds seit dem Juni 2016 zustande. Anleger zogen knapp 18 Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. 

Doch auch andere Kategorien, die lange Zeit die Stütze des Fondsgeschäfts der europäischen Fondsanbieter waren, erlitten Abflüsse: Alternative Fonds mussten den siebten negativen Monat in Folge hinnehmen und verloren netto gut 5,8 Milliarden Euro. Auch Mischfonds sahen erneut Abflüsse; die Rückgaben von 3,0 Milliarden Euro waren das höchste Niveau in diesem Jahr. 

Dass der März bzw. das erste Quartal nicht rabenschwarz ausfielen, lag an der hohen Nachfrage nach Rentenfonds, die im März 27,7 Milliarden Euro an Zuflüssen verbuchten. Im ersten Quartal beliefen sich die Zuflüsse in Bond-Produkte auf stolze 57,7 Milliarden Euro. Im krassen Kontrast zu ihrer Risikoaversion auf der Aktienseite waren Investoren auf der Bondseite durchaus bereit, Risiken einzugehen. Die Kategorien Unternehmensanleihen, Emerging Markets und Rentenfonds flexibel waren stark nachgefragt.

Auch Immobilienfonds – hauptsächlich vom Typ der deutschen offenen Immobilienfonds - verzeichneten erneut solide Zuflüsse in Höhe von gut 1,1 Milliarden Euro – der 29. positive Monat in Folge. In Zeiten tiefster Zinsen setzen vor allem Investoren aus Deutschland auf „Betongold“ als alternative Sachwertanlage zu Aktien. 

Geldmarktfonds zogen Nettozuflüsse in Höhe von 2,1 Milliarden Euro an. 

Per Ende des ersten Quartals konnten Langfristfonds dank der hohen Nachfrage nach Anleiheprodukten netto 17,8 Milliarden Euro verbuchen. Auch die Vermögenswerte in Fonds legten per Saldo zu. Gegenüber dem März 2018 erhöhte sich das Vermögen in europäischen Langfristfonds von 8,48 Billionen Euro auf 8,72 Billionen Euro. 

Tabelle: Mittelaufkommen europäischer Fonds im März 2019

Aktiv versus passiv

Der Trend hin zu Indexfonds hat auch im März angehalten. Passive Produkte (ETFs und nicht-börsengehandelte Indexfonds) konnten ihren Marktanteil zu Lasten aktiv verwalteter Fonds weiter ausbauten. Ohne Hinzurechnung von Geldmarktfonds verzeichneten Indexfonds Zuflüsse von 4,6 Milliarden Euro im März, während aktiv verwaltete Fonds Abflüsse von 5,3 Milliarden Euro. Hinnehmen mussten. Der Marktanteil der Indexfonds stieg zum 31. März auf 17,4 Prozent des Fondsvermögens europäischer Fonds gegenüber 15,7 Prozent im Vorjahr (ex Geldmarktfonds).  

Im März mussten Index-Tracker allerdings auf der Aktienseite Abflüsse von 3,7 Milliarden Euro hinnehmen, womit der vergangene Monat erst der vierte mit negativen Flows für Aktien-Indexfonds in zwölf Monaten war. Passive Bondfonds verzeichneten dagegen Zuflüsse von 8,6 Milliarden Euro und lagen damit ganz im allgemeinen Markt-Trend. 

Mit der Ausnahme von Rentenfonds, die mit 19,0 Milliarden Euro die höchsten Zuflüsse in einem Monat seit Januar 2018 erzielten, befanden sich aktiv verwaltete Fonds erneut im Tal der Tränen. Aktienfonds verloren 14,3 Milliarden Euro. Dies ging vor allem auf das Konto von breit diversifizierten Kategorien wie Standardwerte Eurozone, Europa, USA, globale Schwellenländer und Japan. 

Aktiv verwaltete alternative Fonds verzeichneten Abflüsse von 6,0 Milliarden Euro und markierten damit den siebten negativen Monat in Folge für diese breite Gruppe. Seit dem Höchststand von 476 Milliarden Euro im Mai 2018 sank das in diesen regulierten Hedgefonds verwaltete Vermögen auf 422 Milliarden Euro zum 31. März 2019. Dies spiegelt die schwache Performance vieler dieser Vehikel wider. Viele Multistrategie-Fonds, die als „Mischfonds des neuen Typs“ angepriesen wurden und lange Zeit stark im Vertriebsfokus standen, haben in den vergangenen Jahren Anleger mit einer oft schwachen Performance enttäuscht. Hierfür steht stellvertretend der GARS-Ansatz (Akronym steht für: Global Absolute Return Strategies) von Standard Life, der auch in diesem Monat hohe Abflüsse hinnehmen musste.

Tabelle: Mittelzuflüsse nach dem Aktiv-Passiv-Schema

Die vollständige englischsprachige Version der Morningstar-Statistik, die auch einen Überblick nach Fondskategorien und Fondsanbietern enthält, finden Sie hier.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

 

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.