Oktober-Korrektur bringt Fondsbranche einen dicken Dämpfer

Anleger geben Fonds in großem Stil zurück. Auch wenn passive Fonds leichte Zuflüsse haben, steht doch die Flucht aus dem Risiko im Vordergrund. Der Morningstar Absatzbericht für Fonds in Europa.  

Ali Masarwah 28.11.2018

Was im September als Rinnsal begann, entwickelte sich im Oktober zu einer regelrechten Sturmflut: Anleger haben in großem Umfang die Flucht aus Fonds angetreten. Die Rückgaben von Anteilsscheinen von Langfristfonds erreichten einen Umfang, wie er zuletzt auf dem Höhepunkt der Krise in der Eurozone im August 2011 zu beobachten war. Publikumsfonds ex Geldmarktfonds erlitten Nettoabflüsse von 35,3 Milliarden Euro. Auch wenn spezifische Faktoren, die einzelne große Fonds und auch Unternehmen betrafen, eine Rolle spielten und das Wachstum passiver Fonds aktive Manager auch in Mitleidenschaft zog, so stand im Oktober die Flucht aus dem Risiko klar im Vordergrund. 

Im Zuge der Korrektur an den Aktienmärkten gaben Anleger Anteilsscheine von Aktienfonds im Umfang von 11,7 Milliarden Euro zurück. Deutliche Mittelabflüsse erlitten dabei Wachstumsfonds, einschließlich Technologiefonds, was klar den Stimmungsumschwung der Anleger illustriert. Die Rückgaben festverzinslicher Fonds lag nahezu auf dem identischen Niveau, nämlich bei 11,5 Milliarden Euro. Hier dürften die steigenden Zinsen ihren Niederschlag gefunden haben - Unternehmensanleihen waren von der Ausweitung der Spreads konfrontiert. 

Auch Mischfonds wurden nicht verschont. Aktien-Rentenfonds verloren 6,2 Milliarden Euro, was den Oktober 2018 zum zweitschwächsten Monat seit Oktober 2008 für diese Gattung machte. Alternative Fonds verloren 6,19 Milliarden Euro und lagen damit nur geringfügig besser als im September, als regulierte Hedgefonds 6,2 Milliarden Euro an Abflüssen verzeichneten. 

Das deutlichste Indiz für den Wechsel in den Risk-Off-Modus im Oktober waren die Rekordzuflüsse in Geldmarktfonds, die bei satten 52,8 Milliarden Euro lagen. 

Aufgrund der Kombination von Abflüssen und sinkenden Asset-Preisen gingen die in langfristigen Fonds investierten Mittel von 8.636 Billionen Euro im September auf 8.350 Billionen Euro zum 31. Oktober zurück. Am schwersten wogen die abschmelzenden Vermögenswerte in Aktienfonds, deren Wert infolge der Korrektur um mehr als 223 Milliarden Euro zurückging. Das in Geldmarktfonds verwaltete Vermögen stieg auf 1.190 Billionen Euro nach 1.144 Billionen Euro zum 30. September. 

Tabelle: Das verwaltete Fondsvermögen in Europa per Ende Oktober 

Aktiv und passiv

Aktiv und passiv

Der europäische Fondsmarkt wurde auch im Oktober wieder von zwei gegenläufigen Trends bestimmt: Während aktiv verwaltete Fonds mit 36,4 Milliarden Euro starke Abflüsse erlitten, erzielten Indexfonds weiterhin Nettozuflüsse – und zwar in Höhe von einer Milliarde Euro. Das war deutlich unter dem Niveau der Vormonate, aber immer noch deutlich in positivem Terrain. 

Die größte Spreizung zeigte sich bei Anleihefonds. Während aktiv verwaltete Fonds Abflüsse von 13,2 Milliarden Euro hinnehmen mussten, nahmen passiv verwaltete Fonds netto 1,7 Milliarden Euro ein. Auf der Ebene der Fondskategorien mussten flexible Bond-Fonds, Fonds für Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen die höchsten Abflüsse hinnehmen. Zwar wurden auch passive Corporate Bond Fonds per Saldo verkauft, aber diese Abflüsse wurden durch die hohe Nachfrage nach US-Dollar- und Euro-Staatsanleihenfonds mehr als ausgeglichen. Mehrere Emerging-Market-Anleihenkategorien verzeichneten kräftige Zuflüsse auf der passiven Seite - ein deutlicher Gegensatz zur Situation der aktiv verwalteten Konkurrenten. Diese divergierenden Trends vollzogen sich in etlichen Kategorien und deuten auf eine säkulare Verschiebung weg von aktiv verwalteten hin zu passiven Rentenfonds - auch in weniger liquiden Marktsegmenten, die bisher allgemein als Domäne aktiver Manager angesehen wurden. 

Im Aktienfondsbereich erlitten aktiv verwaltete Fonds massive Abflüsse, aber auch Indexfonds blieben nicht verschont, wenn auch in geringerem Umfang. Die Rücknahmen aus aktiven Produkten beliefen sich auf 10,8 Milliarden Euro; bei passiven Fonds waren es knapp eine Milliarde Euro. Vor allem die Stimmung der Anleger für Technologie- und US-Wachstumsfonds hat sich deutlich verschlechtert. Hier waren sowohl aktive als auch passive Fonds von Abflüssen betroffen. Gleiches gilt für europäische und US-amerikanische Nebenwertefonds, die ebenfalls durch die Bank Rückgaben hinnehmen mussten. Für die größte Aktienfondskategorie, globale Standardwertefonds, war es eine andere Geschichte. Aktiv verwaltete Fonds nahmen netto 1,3 Milliarden Euro ein und konnten sich damit gegen den negativen Trend behaupten. Umgekehrt verzeichneten passive Aktienfonds dieser Kategorie Abflüsse von 3,7 Milliarden Euro. Dies war jedoch hauptsächlich auf einen Fonds zurückzuführen. Der UBS MSCI ACWI ETF erlitt Abflüsse von gut drei Milliarden Euro. Daher kann diese Bewegung eher auf die Asset Allocation in einem Bankenvertriebskanal zurückgeführt werden und weniger als eine marktweite Verschiebung weg von passiven Fonds gewertet werden. 

Wie im Vormonat sind die Abflüsse aus Mischfonds auf hohe Rückgaben aus Euro-Mischfonds zurückzuführen. Am stärksten betroffen waren defensive und ausgewogene Fonds, die zusammen 3,3 Milliarden Euro verloren. (Auf den ersten Blick sind passiv verwaltete Mischfonds in diesem Jahr um beachtliche 21 Prozent organisch gewachsen; da allerdings diese Vehikel nur 0,13 Prozent des Mischfondsvermögens in Europa ausmachen, sind die Zuflüsse von 330 Millionen Euro im Jahresverlauf aus Branchensicht praktisch vernachlässigbar.) 

Bei den aktiv verwalteten alternativen Fonds fielen Abflüsse von 3,2 Milliarden Euro an. Die beiden in Großbritannien und Luxemburg ansässigen SLI Global Absolute Return Strategies Fonds büßten zusammen 1,7 Milliarden Euro ein. Die Absatzbewegung aus dieser Strategie dauert bereits seit rund zwei Jahren an und ist auf die fortlaufende Underperformance der Fonds zurückzuführen, die weit hinter ihrem Performance-Ziel von Libor (bzw. Euribor) plus 500 Basispunkte zurückliegen.

Marktneutrale Aktienfonds verzeichneten die höchsten Abflüsse seit September 2016. Am stärksten wurde der Merian Global Equity Absolute Return Fund verkauft, der fünf aufeinander folgende Monate mit negativen Renditen hinnehmen musste. Auf der passiven Seite verzeichneten Vehikel, die Leverage- und Inverse-Bond-Indizes abbilden, die höchsten Abflüsse, wobei das meiste Geld aus einem Lyxor Short ETF auf italienische langfristige Anleihen abfloss. (Passiv verwaltete alternative Fonds umfassen hauptsächlich Leverage- und Inverse-Trading-Vehikel, und nur eine Minderheit dieser Fonds repliziert genuine Hedgefonds-Indizes.) 

Tabelle: Die Mitteflüsse in Asset-Klassen nach den Aktiv-Passiv-Schema

 

Die Vollversion des Mittelflussberichts für europäisch domizilierte Fonds, die auch die Absatzbilanz nach Fondsanbieter und Fondskategorie enthält, finden Sie hier.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.