Neuerungen bei den Morningstar Sustainability Ratings

Wir haben einige Neuerungen bei unseren ESG-Ratings eingeführt, welche die Qualität unserer Nachhaltigkeits-Ratings verbessern. Eine Übersicht per Ende Oktober 2018.

Morningstar 12.11.2018

Im Jahr 2016 haben wir unser Nachhaltigkeitsrating gestartet, um Investoren ein Tool an die Hand zu geben, mit dem sie die Nachhaltigkeits-Performance von Fonds in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) zu messen. Unser Fonds-Rating setzt auf den ESG-Ratings von Sustainalytics auf Unternehmensebene auf. Mit unserem Rating können Anleger taxieren, wie gut ein Fonds den ESG-Herausforderungen gewachsen ist, basierend auf den ESG-Profilen der zugrunde liegenden Beteiligungen.

Wir hatten zum Start angekündigt, dass wir unsere Ratings laufend weiterentwickeln und verbessern werden. Per Ende Oktober haben wir einen weiteren Schritt gemacht. Wir haben folgende Neuerungen vorgenommen, um die Qualität unseres Researchs zu verbessern:

  1. Wir sind nunmehr in der Lage, die historische Entwicklung der Sustainability Scores in unseren Tools darzustellen;
  2. Wir haben die Schwelle, ab der der wir einen Sustainability Score vergeben von 50 auf 67 Prozent des Fondsvermögens erhöht. Damit werden unsere Ratings aussagekräftiger;
  3. Die Ratings werden nunmehr anhand der globalen Kategorien und nicht mehr mit dem Bezugspunkt der Morningstar Kategorien vergeben;
  4. Wir erhöhen das Minimum an Fonds für die Vergabe von Ratings auf Kategorie-Ebene auf 30.

Zwei wesentliche Vorteile sind mit diesen Änderungen verbunden: Sie spiegeln unsere verbesserte Fähigkeit wider, Einschätzungen zu Fonds über einen längeren Zeithorizont vorzunehmen, und sie verwenden deutlich breiter aufgesetzte Fondskategorien bzw. stellen die Ratings auf eine breitere Basis mit Blick auf die Portfolio Holdings. Nachfolgend erläutern wir die wichtigsten Schritte im Einzelnen.

Historischer Portfolio Sustainability Score

Der historische Score setzt sich aus den Scores der zurückliegenden zwölf Monats-Scores  zusammen. Diese historische Betrachtung folgt der Erkenntnis, dass die jüngsten Nachhaltigkeitswerte des Portfolios zwar wertvolle Informationen enthalten, da sie Aufschluss über die aktuelle Positionierung eines Fonds geben; aber sie spiegeln möglicherweise nicht den längerfristigen Entscheidungsprozess des Fondsmanagers wider. Der Blick in die Vergangenheit gibt uns einen Einblick, ob ESG-Überlegungen konsequent angewendet werden. Um die historische Reihe zu einem einzigen Datenpunkt zu kombinieren, haben wir einen gewichteten Zwölfmonats-Durchschnitt erstellt, bei dem die jüngsten Portfoliobestände im Vergleich zu älteren Beständen übergewichtet sind. Das aktuellste der letzten zwölf Portfolios wird mit dem Faktor 12 gewichtet, das vorletzte mit dem Faktor 11 und so weiter. Das älteste der letzten zwölf Portfolios wird schlussendlich mit dem Faktor 1 gewichtet.

In der Praxis ermöglicht der neue historische Score nicht nur die Erfassung der Langfristbilanz eines Fonds auf einen Blick; der neue Datenpunkt führt vielmehr auch zu einer Glättung der Ergebnisse, wie die untere Grafik illustriert. Während der Spot-Wert eine Volatilität von drei Punkten in einem Jahr aufweist, liegt der monatliche Durchschnittswert nur bei zwei Punkten.

Grafik: Die glättende Wirkung des historischen Sustainability Scores

Wechsel der Referenzgruppe: Von der Morningstar Kategorie zur globalen Kategorie

Der Bezugspunkt, der für die Vergabe des Morningstar Nachhaltigkeitsratings herangezogen wird, ist nunmehr das Morningstar Global Category System und nicht mehr das Morningstar Category System. Nach der ursprünglichen Methodik wurden die Ratings auf der Ebene der Morningstar Kategorien vergeben. Für ein Portfolio-basiertes Rating haben sich die Morningstar Kategorien jedoch als zu granular herausgestellt. Das Morningstar-Kategoriensystem reflektiert teilweise eine Gruppierung von Fonds nach ihrer Verfügbarkeit in einem bestimmten Markt, in einigen Fällen hängt die Zugehörigkeit von der Basiswährung der Fonds ab. Dies führte in einigen Fällen zu sehr kleinen Peergruppen mit Blick auf unser Sustainability Rating.

Die Zugehörigkeit zu einer globalen Kategorie reflektiert eher die Management Strategie unabhängig von der Frage, wo ein Fonds vertrieben wird. Es handelt sich hier also – der Name sagt es bereits – um eine global einheitliche Kategorisierung, was die Vergleichbarkeit von ESG-Ratings für weltweit vertriebene Fondsstrategien erhöht. So gehören beispielsweise nach dem Morningstar Global Category System alle diversifizierten Emerging Markets-Fonds derselben Peer Group an, unabhängig davon, wo die Fonds vertrieben werden. Bisher wurden einzelne Rating-Kohorten nach den Morningstar Kategorien "Aktien Emerging Markets Canada", "Aktien Emerging Markets USA" und "Aktien Emerging Markets Europa".

Dieser Spurwechsel kann für kleinere Kategorien größere Veränderungen zur Folge haben; bei größeren Kategorien ändert sich dagegen nicht viel. Dazu vergleichen wir unten die projektierte Rating-Verteilung nach der globalen Systematik (rote Balken) für die Kategorie „Aktien Dänemark“ mit der bisherigen Verteilung nach Morningstar Kategorie (blaue Balken). Dass die Referenzgröße für die Fonds der Kategorie „Aktien Dänemark“ nunmehr die globale Kategorie „Aktien Europa sonstige“ ist, hat zur Folge, dass die Fonds der Kategorie „Aktien Dänemark“ aufgrund der höheren Scores im Schnitt nunmehr in der größeren Einheit bessere Ratings aufweisen. Das reflektiert die überdurchschnittlich guten Scores im europäischen Vergleich viel besser als die doch sehr enge Dänemark-Kategorie.

Abbildung 2: Die Sustainability Rating-Verteilung für die Kategorie „Aktien Dänemark“

Anders sieht das Bild für die Morningstar Kategorie US Large-Cap Value aus. Wie das untere Schaubild zeigt, entspricht die Verteilung der Morningstar Nachhaltigkeitsratings auch auf Ebene der globalen Kategorie in etwa der Normalverteilung, die für die Kategorie-Ebene maßgeblich ist. Ähnlich sieht es bei anderen größeren Kategorien aus: Der Wechsel von  den Morningstar Kategorien zu der Systematik der global einheitlichen Kategorien, in denen typischerweise einige Morningstar Kategorien aufgehen, hat bei großen Kategorien eine deutlich geringere Wirkung als bei kleinen Kategorien.

Abbildung 3: Die Sustainability Rating-Verteilung für die Kategorie „Aktien USA Value

Das aktualisierte Methodologie-Papier zu den Morningstar Sustainability Ratings per 31.10.2018 finden Sie hier.

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