Deutschland-Flaggschiffe der DWS abgestuft

Abgang von Tim Albrecht schwächt Kompetenz des Deutschland-Teams. Folgen für die Ratings „DWS Deutschland“ und „DWS Aktien Strategie Deutschland“.

Barbara Claus 09.10.2018

Nach dem angekündigten Ausscheiden von Tim Albrecht Anfang September hatten wir die Ratings der von ihm verantworteten Fonds, DWS Deutschland und DWS Aktien Strategie Deutschland, ausgesetzt. Nachdem wir mit den neuen Managern gesprochen haben, haben wir die Fonds neu bewertet. Der DWS Deutschland hält nunmehr das Rating „Bronze“ nach zuvor „Silver“, der DWS Aktien Strategie Deutschland ist mit „Neutral“ bewertet nach zuvor „Bronze“.

DWS Deutschland

Beim DWS Deutschland, den Albrecht seit 2002 geleitet hatte, hat der ehemalige stellvertretende Manager seit 2009, Christoph Ohme, die Leitung übernommen. Ohme ist seit Oktober 2005 im europäischen Aktien Team der DWS und hat einen Branchenfokus auf Chemie und derivative Strategien. Seit Oktober 2014 ist er für den DWS German Equities Typ O verantwortlich und hat in der Zeit überdurchschnittliche Ergebnisse erwirtschaftet. Ohme wird von den fünf weiteren verbliebenen Mitgliedern des deutschen Aktienteams der DWS unterstützt. Für Albrecht sucht das Unternehmen derzeit einen Senior Manager sowie einen Junior-Analysten zur Verstärkung des Teams.

 Die DWS will den bewährten Prozess, der sowohl Bottom-up- als auch Top-down-Elemente kombiniert, auch nach dem Managerwechsel erhalten. Die Strategien ist im Kern auf Standardwerte ausgerichtet, wird allerdings flexibel angewendet, der im Ergebnis zu einem neutralen „Blend“-Stil (gemäß der Morningstar Style Box) führt. Top-Down-Sichtweisen spiegeln sich in einer aktiven Sektorallokation, der mitunter großzügigen Beimischung von Nebenwerten (bis 50 Prozent des Portfolios), thematischen Investments sowie in der Steuerung des Investitionsgrades (zwischen 90 und 130 Prozent) wider. Zwar hat das signifikante Vermögenswachstum des Fonds seine Fähigkeit, in Small Caps zu investieren, einschränkt, aber das sehen wir derzeit nicht als ein wesentliches Hindernis für die zukünftigen Chancen auf eine Outperformance. Wir begrüßen auch die Einführung eines systematischeren Ansatzes für die Kapazitätsüberwachung im Jahr 2016.

Während wir der Meinung sind, dass das deutsche Aktienteam der DWS nach Albrechts Abgang (sowie zuvor nach dem Ausscheiden des ehemaligen Teamchefs Henning Gebhardt Ende 2016) deutlich geschwächt wird, ziehen wir etwas Zuversicht aus dem bewährten Prozess, der Anlegern langfristig einen Mehrwert gebracht hat. Auch sorgt der neue Manager Ohme für Kontinuität. Allerdings Ohmes Erfolgsbilanz im Portfoliomanagement noch recht kurz. Insgesamt sind wir nach wie vor positiv für den Fonds gestimmt, aber unsere Zuversicht ist nicht so groß wie vor dem Managerwechsel. Daher haben wir das Rating des Fonds von „Silver“ auf „Bronze“ herabgesetzt. 

DWS Aktien Strategie Deutschland 

Als Nachfolger von Tim Albrecht hat Hansjörg Pack im September die Leitung des DWS Aktien Strategie übernommen. Pack, der seit 2017 stellvertretender Manager des Fonds war, ist seit 1997 bei der DWS. Er arbeitete in verschiedenen Portfoliomanagerfunktionen, darunter im Bereich globale Aktien, Hedgefonds und Schwellenländer Asien. Als Mitglied im europäischen Aktienteam ist er auch für den Medien- und Telekommunikationssektor zuständig. Unterstützt wird Pack, wie auch Ohme, von den fünf verbliebenen Mitgliedern des deutschen Aktienteams der DWS.

Im Gegensatz zum DWS Deutschland ist die Aktienauswahl dieses Fonds als stärker wachstumsorientiert und benchmarkunabhängig zu bezeichnen. Doch auch hier werden die Top-Down-Ansichten durch aktive Sektorallokation, thematische Investitionen und Steuerung des Investitionsgrades gespielt. Aufgrund der höheren Nebenwertequote und des stark gestiegenen Vermögens wurde der Fonds zwischen März 2016 und Juli 2017 vorrübergehend für Neuanlagen geschlossen. Das erfolgte im Rahmen einer Einführung eines Kapazitätsmanagements bei der DWS im Jahr 2016, was unsere Bedenken hinsichtlich eines ungezügelten Wachstums des Fondsvermögens etwas abmildert. Indes werden wir den Fonds weiterhin auf zukünftige Kapazitätsengpässe überwachen.

Der Abgang von Albrecht ist eine deutliche Schwächung der Kompetenz des DWS-Deutschlandteams. Zudem ist dies der zweite Managementwechsel beim DWS Aktien Strategie Deutschland innerhalb kurzer Zeit. Wir hatten den Fonds bereits im Vorfeld des Ausscheidens des ehemaligen Lead Managers Henning Gebhardt im September 2016 abgestuft, und zwar von „Silver“ auf „Bronze“. Zwar ist es beruhigend, dass der Rest des Teams erfahren ist und bislang keine weiteren Abgänge zu verzeichnen sind, aber der neue Manager hat keine Erfolgsbilanz bei einer vergleichbaren Strategie vorzuzeigen. Angesichts des sehr flexiblen Prozesses möchten wir zunächst sehen, wie Hansjörg Pack die Strategie unter unterschiedlichen Marktbedingungen umsetzt. Daher vergeben wir dem Fonds vorläufig ein „Neutral“ Rating.

Über den Autor

Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar