Eurizon und Vanguard sind die aktivsten Emissionshäuser

Im dritten Teil unserer Analyse zu neuen Fonds am Markt blicken wir auf die aktivsten Fondsanbieter am Markt. 

Ali Masarwah 28.08.2018

In unserer Analyse zu neuen Fonds am Markt in diesem Jahr haben wir im ersten Teil eine Grobübersicht über die großen Tendenzen auf Ebene der Asset-Klassen gebracht und den Markt der neuen Produkte durch die Aktiv-Passiv-Brille betrachtet. Im zweiten Teil haben wir nachgesehen, in welchen Kategorien die meisten neuen Produkte zu finden sind. Jetzt kommen wir auf die Anbieter der neuen Fonds zu sprechen, bevor wir im letzten Teil der Analyse die Vertriebsregionen, also die Zielmärkte, auf denen die neuen Fonds vertrieben werden, identifizieren.  

Blicken wir zunächst auf die Anbieter aktiv verwalteter Fonds. An erster Stelle steht Eurizon, die Tochtergesellschaft der italienischen Bank Intesa Sanpaolo. Gut 8,3 Milliarden Euro haben die neuen Fonds der Gesellschaft per Ende Juni an neuen Geldern "eingespielt". Wie bereits im zweiten Teil erwähnt, ist Eurizon der Produktlieferant für den Retailvertrieb der Mutterbank in Italien, und die verkauft vor allem Mischfonds, genauer gesagt: Laufzeitfonds; 27 der 38 neuen Eurizon-Fonds fallen in diese Kategorie.  

Der Vermögensverwalter HSBC belegt mit großem Abstand Rang zwei mit vier Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen in neuen Fonds per Ende Juni. Diese waren in neun Fonds investiert. Das meiste Geld sammelte HSBC mit Bond-Fonds ein, vor allem Corporate Bond Fonds und global investierenden Rentenfonds, die grenzüberschreitend vertrieben werden. 

Der Expansionshunger des börsennotierten Vermögensverwalters Amundi manifestierte sich im ersten Halbjahr ebenfalls mit einer hohen Zahl an Neuemissionen. 43 neue Amundi-Fonds wurden bis Ende Juni auf den Markt gebracht (ohne Amundi ETFs) - die Ausrichtung der neuen Fonds auf den italienischen und französischen Markt zeigt die regionale Verankerung der Gesellschaft, die mit der Übernahmne von Pioneer ein starkes Standbein in Italien erworben hat.

BlackRock, das sich wie kaum ein anderes Haus durch internationale Präsenz auszeichnet, war im ersten Halbjahr indes stark auf den britischen Markt fokussiert. Von 19 neuen Fonds finden sich allein zwölf Target Date Funds, die vor allem für Investmentplattformen, die sich an Privatkunden richten, aufgelegt wurden. 

Wie die untere Tabelle zeigt, befindet sich unter den Emissionskönigen nur eine Gesellschaft, die in der Region D-A-CH besonders aktiv war: Universal-Investment. Es handelt es sich um eine so genannte Service-KVG, die sich vor allem auf Fonds für kleinere Vermögensverwalter konzentriert bzw. auf Asset Manager, die in Deutschland nicht mit einer eigenen KVG präsent sind. Hier fallen Namen wir ACATIS, Tungston oder Berenberg ins Auge. Typisch für diese Vermögensverwalter-Fonds ist ihre eher begrenzte Vertriebskapazität. Das wird anhand des verwalteten Vermögens deutlich. 22 Fonds wurden auf den - vorwiegend deutschen - Markt gebracht. Per Ende Juni waren 940 Millionen Euro investiert, was einem Durchschnittsvermögen von gerade einmal 42 Millionen Euro entspricht.

Tabelle: Eine Übersicht über die Anbieter aktiv verwalteter Fonds per Ende Juni 

Kommen wir nun zu den Anbietern von Indexfonds (ETFs und nicht börsennotierte Indexfonds). An der Spitze steht Vanguard mit vier neuen Produkten, in denen per Ende Juni 19,5 Milliarden Euro investiert waren. Das Gros der Gelder befindet sich in den drei nichtbörsennotierten Indexfonds, die im März bzw. Mai auf den Markt gebracht wurden. 

Auf Platz zwei mit Blick auf das Emissionsvolumen finden sich zwei Fonds von Swisscanto, die für den Schweizer Markt aufgelegt wurden. Das Gros der neuen Gelder wurde in den USA Standardwerte-Indexfonds SWC (CH) IPF Index Equity Fund USA investiert. 

Legal & General, ein im deutschsprachigen Raum nicht stark im öffentlichen Bewusstsein präsenter Anbieter, lancierte fünf neue Indexfonds mit einem Vermögen von gut einer Milliarde Euro. Doch nur gut die Hälfte der neuen Assets steckt in Produkten, die am britischen Heimatmarkt vertrieben werden, was die internationale Ausrichtung des Konzerns zeigt, dessen nichtbörsennotierte Indexfonds für den europäischen Vertrieb konzipiert sind. 

Credit Suisse, ein Anbieter, der sich vor wenigen Jahren von seiner ETF-Sparte getrennt hat - sie wurde an iShares verkauft, ist verstärkt mit nichtbörsennotierten Indexfonds am Markt aktiv. Vier der fünf neuen Produkte sind Bond-Fonds für den europäischen Markt. Nur ein ESG-Fonds für US-Aktien wird ausschließlich am Schweizer Heimatmarkt vertrieben.

Zahlenmäßig liegen die Nummer zwei und drei am europäischen ETF-Markt mit jeweils zehn neuen ETFs, Xtrackers und Lyxor, vorn, was die Zahl der neuen Fonds anbelangt. Marktführer iShares sammelte mit fünf neuen Produkten indes mehr neues Geld mit ein, wie aus der unteren Tabelle hervorgeht.

Tabelle: Die Aktivitäten der Indexfonds-Anbieter im ersten Halbjahr 2018

Hier die Übersicht über die vierteilige Analyse zu neuen Fonds am Markt: 

1. Asset-Klassen, Aktiv-Passiv- und ESG-Bilanz;

2. Die Fondskategorien;

3. Die aktivsten Fondsanbieter; 

4. Die Vertriebsregionen.

 Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.