Emissionstätigkeit bei Mischfonds und Alternatives stagniert

Im zweiten Teil unseres Artikels zu neuen Fonds am Markt blicken wir auf die Ebene der Fondskategorien. Bei Indexfonds gewinnen Bonds an Bedeutung im Vertrieb.

Ali Masarwah 17.08.2018

In unserer Umschau zu neuen Fonds am Markt im ersten Halbjahr haben wir zunächst eine Übersicht über die Asset-Klassen gegeben und nachgesehen, wie stark ESG-Fonds unter den Produktneuheiten vertreten sind. Nun untersuchen wir die neuen Fonds 2018 im Spiegel der Morningstar Fondskategorien. 

Insgesamt verteilen sich die 1.106 neuen Fonds, die im ersten Halbjahr aufgelegt wurden, auf 181 Kategorien. Davon haben wir die 20 Kategorien mit dem höchsten verwalteten Vermögen in neuen Fonds aufgeführt. Der erste Blick auf die untere Tabelle zeigt, dass Aktien-Investments und Bonds mit je sechs Kategorien am häufigsten vertreten sind, gefolgt von Mischfondskategorien (vier) sowie zwei alternativen Kategorien, und je eine Geldmarkt- und eine Wertsicherungskategorie. Die Tabelle umfasst sowohl aktiv verwaltete wie passive Fonds. 

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Vermögen in neuen Fonds

Am häufigsten kamen Fonds der Kategorie „sonstige Mischfonds“ auf den Markt. In diesen Fonds steckten per Ende Juni gut 18 Milliarden Euro. Bereits im Vorjahr hatte diese recht amorphe Gruppe zu den Kategorien mit dem höchsten verwalteten Vermögen gehört. Das ist erklärungsbedürftig. Erhellend ist hier ein Blick auf die Vertriebsregion. Hier dominiert Italien, wo 49 der 69 „sonstigen Mischfonds“ verkauft werden. Es handelt sich um eine typisch italienische Produkteigenart: Laufzeitfonds mit unterschiedlichen Aktien-Renten-Mixes, die vor allem von italienischen Banken vertrieben werden. Mit 27 Produkten war Eurizon, der Asset Manager der Bank Intesa Sanpaolo, wie auch in den Vorjahren besonders aktiv. 

Die meisten dieser Produkte haben recht kurze Laufzeiten. Viele werden bereits im Jahr 2023 fällig. Die Kosten sind typischerweise hoch, wie die Gesamtkostenquote von 1,58 Prozent illustriert. (Nur zwei Kategorien unter den Top 20 weisen höhere Kosten auf!) Vor diesem Hintergrund sind die Performance-Perspektiven ungewiss, zumal die Laufzeiten relativ zu den Risiken sehr kurz sind. Bereits in der Vergangenheit haben wir angemerkt, dass diese Fonds Anlegern – im Gegensatz zu den Banken – keinen guten Deal bieten dürften. Dass diese Kategorie mit Abstand das höchste verwaltete Vermögen in neuen Produkten aufweist, lässt sich dadurch erklären, dass die Fonds eine begrenzte Zeichnungsfrist haben und dann für Neuinvestments geschlossen werden. Die Assets werden also zum Laufzeitbeginn eingesammelt. 

An zweiter Stelle findet sich die größte Fondskategorie in Europa, wenn es nach verwaltetem Vermögen geht: Aktien Standardwerte weltweit. Verkürzt gesagt handelt es sich hier um Fonds, die den MSCI World als Benchmark haben. In den 79 neuen Vehikeln steckten per Ende Juni bereits ansehnliche 12,6 Milliarden Euro. Zwölf dieser neuen Fonds verfügen über ein Nachhaltigkeitsmandat. In keiner anderen Kategorie finden sich derart viele ESG-Fonds

Die Kategorie „sonstige Rentenfonds“ ist die drittbeliebteste Kategorie nach verwaltetem Vermögen. Hier handelt es sich überwiegend um Produkte, die auf höher rentierliche Segmente des Rentenmarktes abzielen, die jedoch zumeist keinen gemeinsamen Nenner haben, sodass sie keiner spezifischen Kategorie zugeordnet werden können, sondern in der Schublade „sonstige“ versenkt werden. Hier finden sich ABS-Fonds, Fonds für argentinische Bonds, Subordinated Financials, Impact Financing, niederländische Hypothekenfonds, polnische „direct Loans“ und viele mehr. 

Bei aktiv verwalteten Fonds fallen häufig Performance Fees an 

Differenzieren wir nun zwischen aktiv verwalteten Fonds und Indexfonds. Fangen wir mit den aktiv gemanagten Produkten an. Am häufigsten finden wir – nach Vermögen – die bereits thematisierten „sonstigen Mischfonds“. Als Nachtrag noch der Hinweis, dass diese Produkte recht häufig Performance Fees aufweisen. Von den 69 Fonds haben wir bei 33 Produkten Erfolgsgebühren ausgemacht, die im Schnitt bei knapp 20 Prozent liegen. Übrigens sammelten Fonds dieser Kategorie mit gut 18 Milliarden Euro deutlich mehr Geld ein, als das im ersten Halbjahr 2017 der Fall war, als 70 neue Fonds dieser Kategorie per Ende Juni "nur" gut zehn Milliarden an verwaltetem Vermögen aufwiesen. 

An zweiter Stelle finden wir bei den neuen aktiv verwalteten Fonds Kapitalschutzprodukte vor. Hier waren gut drei Milliarden Euro per Ende Juni investiert. Von den 30 neuen Fonds wurden 15 für den französischen Markt aufgelegt. Hier zeichnen sich Anbieter wie Amundi, BNP Paribas und Crédit Mutuel aus. Auch einige, wenige Fonds wurden für den italienischen Markt aufgelegt. Für die Region DACH wurde indes kein einziges Wertsicherungsprodukt aufgelegt, was angesichts des tiefen Zinsniveaus auch nicht überrascht. 

Interessant ist, dass Euro-Mischfonds zwar in der Liste der vermögensstärksten Produkte vertreten sind, diese aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht länger die dominante Rolle im Vertrieb in Europa spielen. Jenseits der „sonstigen Mischfonds“ waren im ersten Halbjahr ausgewogene Mischfonds gefragt. In 42 Fonds der Kategorie waren 1,3 Milliarden Euro per Ende Juni investiert, verglichen mit 38 Fonds mit einem Vermögen von 3,01 Milliarden Euro, die im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf den Markt kamen.

In den ersten sechs Monaten wurden auch 39 defensive Mischfonds aufgelegt, die knapp eine Milliarde Euro netto einsammelten. Im Vorjahreszeitraum waren es 47 neue Fonds, denen per Ende Juni 2017 4,8 Milliarden Euro zugingen. In diesem Jahr sammelten schließlich 70 flexible Mischfonds gut eine Milliarde Euro ein, verglichen mit 65 Fonds mit einem Vermögen von 1,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. In diesem Jahr haben also ähnlich viele neue Mischfonds deutlich weniger Geld eingesammelt als im Vorjahreszeitraum.

Zurückgegangen ist auch das Vermögen in neuen alternativen Fonds. Zwei Kategorien dieser „Hedgefonds light“ sind in den Top 20 vertreten. In 32 neuen alternativen Multistrategie-Fonds waren per Ende Juni 1,7 Milliarden Euro investiert, vergleich mit 2,1 Milliarden Euro in 40 neuen Fonds per Ende Juni 2017. 

Tabelle: Die Kategorien mit dem höchsten Vermögen in neuen aktiv verwalteten Fonds

Deutlich „konventioneller“ kommen die neuen Indexfonds daher. Hier stehen klassische Fondskategorien, etwa Aktien Standardwerte Welt, USA Standardwerte, Nebenwerte global und Europa Standardwerte oder Renten Schwellenländer, im Fokus. Unter den Top-Kategorien befinden sich interessanterweise zwölf Renten- und nur acht Aktienkategorien. Das illustriert, dass die Passivierungswelle bei Bonds nunmehr voll im Gange ist, ein Umstand, der sich auch aus den aktuellen Mitteflussdaten ablesen lässt

Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle zwei Umstände. Zum einen, und das ist gleichermaßen trivial wie erwähnenswert, sind die Kosten bei Indexfonds ungleich niedriger als bei vergleichbaren aktiv verwalteten Fonds. Im Schnitt kosten neue aktiv verwaltete Fonds der Kategorie Aktien Welt Standardwerte 1,25 Prozent. 13 von diesen 70 aktiv verwalteten Fonds weisen eine Performance Fee von durchschnittlich knapp zwölf Prozent auf. Global investierende Index-Aktienfonds kosten indes im Schnitt 0,37 Prozent. Dass die Durchschnittskosten nicht noch tiefer sind, liegt daran, dass sich unter den Neuheiten Strategic Beta ETFs und lokale nichtbörsennotierte Indexfonds (hier: für den spanischen Markt) befinden, welche die Durchschnittskosten nach oben treiben. 

Zum anderen ist auffällig, dass das durchschnittliche Vermögen in neuen Indexfonds mit 282 Millionen Euro pro Fonds deutlich höher ist als das in aktiv verwalteten Pendants, die im Schnitt nur knapp 84 Millionen Euro auf die Waage bringen. Das muss auch so sein, da doch Skaleneffekte das A und O für die Anbieter von Indexfonds sind, die das Geschäft erst profitabel machen. Indes reflektiert dies spiegelbildlich das Dilemma aktiv verwalteter Fonds: Viele sammeln zum Start wenig Geld ein, und wenn die Performance zu wünschen übriglässt, dümpeln sie mit immer weiter schrumpfendem Vermögen dahin und werden eher früher als später aufgelöst. Dies ist leider ein prägendes Merkmal des europäischen Fondsmarkts, der mit viel zu vielen Fonds "gesegnet" ist. 

Tabelle: Die Kategorien mit den höchsten Vermögen in neuen Indexfonds 

Hier die Übersicht über die vierteilige Analyse zu neuen Fonds am Markt: 

1. Asset-Klassen, Aktiv-Passiv- und ESG-Bilanz;

2. Die Fondskategorien;

3. Die aktivsten Fondsanbieter; 

4. Die Vertriebsregionen.

 Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.