Juni-Korrektur bringt Aktien-ETFs Abflüsse

Appetitlosigkeit der Anleger bei Risiko-Assets setzt sich mit wenigen Ausnahmen fort. Bond-ETFs sind nach negativem Mai wieder gefragt. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für den Monat Juni.

Ali Masarwah 12.07.2018

Ein Blick auf den europäischen Markt für börsengehandelte Indexfonds per Ende Juni zeigt, dass die Volatilität zu Jahresanfang ETF-Investoren im weiteren Verlauf des Jahres 2018 die Lust auf Risiko-Assets verhagelt hat. Wobei europäische Investoren den Begriff "Risiko" doch recht eigenwillig interpretieren. Nicht alle Aktientypen sind demnach offenbar riskant, und nicht jede Bond-Kategorie ist risikoarm.

Doch zunächst alles auf Anfang: Aktien-ETFs haben im Juni Nettoabflüsse in Höhe von knapp 1,6 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Das koinzidierte mit überwiegend fallenden Aktienkursen weltweit, wobei etliche Fremdwährungsräume (USD, GBP) die Verluste von kontinentaleuropäischen Aktieninvestoren abfederten.

Insgesamt war der abgelaufene Monat bereits der zweite in diesem Jahr mit einer negativen Absatzbilanz für Aktienprodukte. Leidtragende waren europäische und japanische Kategorien sowie ETFs mit Anlageschwerpunkt auf Emerging Markets. Indes ging der Run auf US-Standardwerte ETFs (m.a.W.: ETFs auf den S&P 500) unverändert weiter. Auch US-Wachstumsaktien - in Gestalt von NASDAQ-Trackern - waren gefragt, wie auch ETFs auf Schweizer Standardwerte. Dabei sahen die SMI- und SLI-Tracker den besten Absatzmonat seit Januar 2017.

Derweil konnten Bond-ETFs nach dem sehr schwachen Vertriebsergebnis im Mai im vergangenen Monat Zuflüsse von knapp einer Milliarde Euro verbuchen. Hier standen vor allem Euro- und Dollar-Staatsanleihe-ETFs auf der Kaufliste der Investoren. Bei Corporate Bond ETFs sahen allenfalls Produkte mit Schwerpunkt auf kürzer laufenden Papieren eine gewisse Nachfrage.

Bei Rohstoffprodukten war das Bild zweigeteilt: Während Energie-ETPs und diversifizierte Rohstoff-Körbe gefragt waren, mussten Edelmetalle Abflüsse hinnehmen, was angesichts des sinkenden Goldpreises wenig erstaunt (wobei eingedenk des steigenden US-Dollar gegenüber dem Franken und dem Euro die Verluste kontinentaleuropäischer Gold-Investoren minimiert wurden).

Tabelle: ETF-Nettoabsatz und -Vermögen per Ende Juni 2018

Die Absatzbilanz nach Fonds-Kategorie offenbart ein zwiespältiges Bild. USA-Standardwerte-ETFs sowie Produkte, die den - USA-lastigen - MSCI World abbilden, waren mit Nettozuflüssen von 1,6 Milliarden bzw. 700 Millionen Euro am stärksten nachgefragt. Auch technologielastige Marktsegmente waren bei Investoren unverändert beliebt, wie die Zuflüsse in USA-Growth-ETFs sowie Produkte auf Technologie-Indizes belegen (letztere sind nicht in der unteren Tabelle enthalten). 

Eine deutlich positive Absatzbilanz sahen auch defensivere Aktienmarktsegmente, die in den Schweizer Large-Cap Indizes stark vertreten sind. Davon profitierten auch Sektor-ETFs für Healthcare-Aktien, die im Juni Nettoneugelder in Höhe von knapp 300 Millionen Euro verbuchten, was den abgelaufenen Monat zum drittbesten für dieses Segment seit Beginn unserer Aufzeichnungen zu ETF-Flows Anfang 2007 machte. 

Ansonsten standen im Juni die klassischen Risk-off Staatsanleihe-ETFs (EUR, GBP und US-Dollar) auf der Kaufliste von Investoren. 

Indes mussten Japan-Aktien-ETFs die höchsten Abflüsse, die jemals in einer Einmonatsperiode gemessen wurden, verkraften. Es fielen Rückgaben im Umfang von 1,3 Milliarden Euro an, was gut 5,2 Prozent aller Assets, die in ETFs dieser Kategorie per Ende Mai investiert waren, entspricht.

Auch Eurozonen-ETFs waren höchst unbeliebt. Sie erlitten im vierten Monat in Folge Abflüsse, wenn auch in geringerem Umfang als im Mai und April. Abflüsse aus Emerging Markets Aktien-ETFs von gut einer Milliarde Euro markierten das höchste jemals gemessene Niveau bei dieser Kategorie.

Tabelle: Die Kategorien mit der besten und der schwächsten Juni-Absatzbilanz 

Unter den größten ETF-Anbietern fielen überwiegend Abflüsse im Juni an. Die höchsten Abflüsse musste im Juni Xtrackers hinnehmen. Die Deutsche-Bank-Tochter musste vor allem Rückgaben von Anteilen an Japan- und Eurozonen-Aktien-ETFs verkraften. 

Abflüsse aus Source (Invesco)-ETFs  gingen auf die Rückgabe von Edelmetallprodukten und Sektoren-ETFs zurück. Bei Amundi schlugen Abflüsse aus Europa-, Asien- und Japan-Aktien-ETFs ins Kontor.

Unter den großen Anbietern konnten sich nur iShares, UBS und Deka dem negativen Absatztrend entziehen. Der Marktführer profitierte von der Nachfrage nach Bond-Produkten, war jedoch dank der hohen Zuflüssen in seinen S&P 500 Core auch ein Profiteur auf der Aktienseite. 

Die UBS konnte aufgrund hoher Zuflüsse in Rohstoffprodukten ihren guten Lauf in diesem Jahr fortsetzen. Deka profitierte von der Nachfrage nach Bond-Produkten.

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten zehn ETF-Anbieter

 

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.  

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.