Abverkauf von Emerging Markets- und Europa-ETFs im Mai

Aufgrund steigender Märkte erreicht das verwaltete Vermögen in ETFs in Europa dennoch ein neues Rekordniveau. Der Morningstar ETF-Absatzbericht für den Monat Mai.

Ali Masarwah 08.06.2018

Es gibt zu ETFs gute und schlechte Nachrichten zu vermelden. Zunächst die guten: Anleger haben per Saldo einen Vermögenszuwachs im Mai erzielt, was vor allem auf steigende Aktienkurse zurückging, aber auch bei Bonds waren die Markteffekte positiv. Für die Anbieter von ETFs gab es im abgelaufenen Monat ebenfalls positive Nachrichten: Der Nettoabsatz von Aktien-ETFs erreichte mit einem Plus von 1,9 Milliarden Euro wieder positives Terrain, nachdem diese Asset-Klasse im April den ersten negativen Monat seit Mai 2016 hatten hinnehmen müssen. Auch Rohstoffprodukte verbuchten Nettozuflüsse von gut einer Milliarde, so dass in Summe die Abflüsse aus Rentenfonds - 900 Millionen Euro - locker kompensiert wurden.

Dank der Markteffekte und Nettozuflüsse erreichte das Vermögen der europäisch domizilierten ETFs einen neuen Rekordwert von knapp 692 Milliarden Euro. Dabei erreichte das Vermögen in ETFs, welche die drei großen Asset Klassen abbilden - Aktien, Renten, Rohstoffe - neue Rekordniveaus. 

Doch nicht nur die Pessimisten unter den Beobachtern werden ein Haar in der Suppe ausgemacht haben. Denn im Mai verschlechterte sich das Sentiment für etliche Marktsegmente auf auffällige Weise. Das betrifft zum einen Assest aus der Eurozone, zum anderen Emerging Markets.

Das manifestierte sich vor allem durch Abflüsse aus Bond-ETFs. Vor allem Schwellenländer-ETFs, die in lokale Währungen investieren, erlitten die höchsten Abflüsse in einem Monat seit November 2016. Hier dürften sich die krisenhaften Symptome widerspiegeln, die Emerging Markets Assets zuletzt insgesamt in Mitleidenschaft zogen

Auch die sehr hohen Zuflüsse in Gold-ETPs, die mit einem Nettoabsatz von 1,1 Milliarden Euro die höchste Nachfrage seit Februar 2017 sahen, spricht für die steigende Nervosität vieler Anleger. 

Tabelle: ETF-Nettoabsatz und -Vermögen per Ende Mai 2018

Ein Blick auf die unbeliebtesten Fonds-Kategorien illustriert die oben skizzierte große Linie. Eurozonen-Aktien-ETFs mussten Abflüsse in Höhe von 1,6 Milliarden Euro hinnehmen. Die Rückgaben erreichten in etwa das bereits sehr schwache Vormonats-Niveau. Die Tatsache, dass Sektor-ETFs für Financials rund zehn Prozent ihres Vermögens im Mai verloren, illustriert ebenfalls die negativen Rückkoppelungseffekte der politischen Turbulenzen in Italien, die europäische Assets unter Druck setzen. 

Die Nettoabflüsse aus DAX-ETFs waren ebenfalls erheblich. Die Anteilsscheinrückgaben im Wert von 840 Millionen Euro markierten das höchste Niveau seit August 2016. Seit der Eskalation des Handelsstreits zwischen der EU und den USA nehmen die Befürchtungen unter Investoren offenbar zu, dass die exportorientierten deutschen Konzerne Schaden nehmen könnten.

Auch Hochzinsanleihe-ETFs sowie Schwellenländer-Aktien-Produkte sowie Länder-ETFs für Aktien aus Japan, Italien- und Spanien wurden überwiegend verkauft.

Auffällig ist indes, dass USA-lastige Indexprodukte neben Gold-Trackern gefragt waren. Global investierende Aktien-ETFs, vorwiegend MSCI-World-Tracker, die einen hohen USA-Anteil haben, verbuchten Zuflüsse von gut 5,2 Milliarden Euro im Mai. Neben den bereits erwähnten Gold-Produkten waren auch US-Standardwerte-ETFs sowie US-Unternehmensanleihe-ETFs nachgefragt. Schwellenländer-ETFs für Hartwährungen konnten sich dem ansonsten negativen Trend für Emerging Markets Vehikel entziehen. 

Tabelle: Die Fondskategorien mit der besten und der schwächsten Mai-Absatzbilanz 

Dank hoher Zuflüsse in globale Standardwerte-ETFs setzte sich die Schweizer UBS an die Spitze der Anbieter nach Absatzstärke, gefolgt vom ETF-Geschäft der Deutschen Bank, das in diesem Jahr eine beeindruckende Stärke zeigt. Im Mai profitierten Xtrackers ETFs vor allem von der großen Nachfrage nach Edelmetall-Produkten sowie nach Aktien-ETFs. Die Deutsche-Bank-Sparte konnte zwischen Mai 2017 und Mai 2018 ihren Marktanteil am europäischen ETF-Markt von 10,7 Prozent auf 11,2 Prozent steigern. Sie liegt damit auf Platz zwei hinter iShares.

Indes musste der die BlackRock-Tochter den dritten Monat in Folge Abflüsse hinnehmen. Was für iShares lange Zeit ein Vorteil war, erwies sich im vergangenen Monat erneut als Nachteil: die starke Stellung bei Renten-ETFs. Nachdem Bond-Tracker von iShares in den vergangenen Jahren von einer hohen Nachfrage profitiert hatten, hat sich das Bild in den vergangenen Monaten verändert. Bond-ETFs von iShares mussten im Mai gut eine Milliarde an Abflüssen hinnehmen, vor allem Schwellenländer- und High Yield ETFs litten unter Rückgaben.

Doch auch Aktien-ETFs von iShares wurden verkauft, was auf die schwache Absatzbilanz von DAX- und Euro Stoxx-50-ETFs zurückging.

Per Ende Mai 2018 ging der Marktanteil von iShares in Europa gegenüber dem Vorjahresniveau von 47,7 Prozent auf 43,9 Prozent zurück.

Wie auch im Vormonat musste auch Lyxor Mittelabflüsse hinnehmen, wenn auch in deutlich geringerem Umfang als der Marktführer. Europas drittgrößter ETF-Anbieter verlor gegen den Trend bei Aktien-ETFs. 

Auch ComStage verzeichnete wegen höher Rückgaben aus Aktien-ETFs eine negative Absatzbilanz im Mai. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten zehn ETF-Anbieter

 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.