Hans-Peter Schupp bleibt bei seiner hohen Italien-Gewichtung.

Der Fidecum Contrarian Value Euroland bleibt seinem Namen treu, beabsichtigt aber auf dem aktuellen Niveau auch nicht, sein aktuelles Engagement in italienischen Aktien auszubauen.

Barbara Claus 30.05.2018

Der Fidecum Contrarian Value Euroland ist der Fonds mit dem höchsten Engagement in italienischen Aktien unter unseren bewerteten aktiv verwalteten Fonds in Europa. Das Italien-Exposure des von Hans-Peter Schupp verwalteten Fonds liegt derzeit bei 17,9 Prozent und damit deutlich über dem Benchmark MSCI EMU 6,4 Prozent und dem Kategoriedurchschnitt von 10,8 Prozent. In den vergangenen Tagen ist der italienische Aktienmarkt im Zuge der turbulenten Regierungsbildung in die Knie gegangen, und auch die Spreads italienischer Bonds gegenüber Bunds sind zuletzt stark auseinandergelaufen.

Der Fondsmanager beabsichtigt nicht, die Allokation in italienischen Aktien zu reduzieren, was angesichts der langfristig orientierten, antizyklischen Strategie des Fonds nicht verwundert. Zudem wird der Fonds, der das Morningstar Analyst Rating „Bronze“ hält, ausschließlich bottom-up gemanagt, was bedeutet, dass Makroentwicklungen in der Regel keine Transaktionen des Managers auslösen. Auch gibt es keine aktive Länderallokation im Fonds.

Allerdings beabsichtigt der Portfoliomanager auf dem aktuellen Niveau auch nicht, seine Italien-Positionen im Zuge der Schwäche zu ergänzen. Seine Strategie sieht indes generell vor Positionen regelmäßig auf ihr Zielgewicht zu rebelancieren, also eine Aktie zu reduzieren, wenn diese durch Marktbewegungen gestiegen ist bzw. zu erhöhen, wenn sie infolge von Kursverlusten gesunken ist.

Die aktuelle Positionierung des Fonds umfasst keine Beteiligungen an italienischen Banken- und Versicherungssektor. Allerdings hat Telecom Italia, die vor kurzem mit einem Gewicht von zwei Prozent ins Portfolio aufgenommen wurde, hohe Kursverluste aufgrund der Ausrichtung auf das Inlandsgeschäft eingefahren, was sich relativ mit einem Verlust von ca. 20 Basispunkten im Portfolio niederschlägt. Es handelt sich jedoch nicht um eine der größeren Positionen in diesem ziemlich konzentrierten Fonds.

Eine relativ große Position im Fidecum-Fonds ist der Energiekonzern ENI mit einer Gewichtung von 9,1% per Ende April. Diese Aktie hat im Laufe des Jahres einen guten Beitrag zur Gesamtperformance des Fonds geleistet. Der Manager bleibt mit dieser Beteiligung zufrieden, da das Unternehmen den größten Teil seines Geschäfts außerhalb Italiens betreibt und von der Erholung des Ölpreises profitiert. Neben Telecom Italia und ENI hält der Fonds Beteiligungen an Astaldi und Danieli.

Allerdings hält Schupp Positionen an drei europäischen Banken, darunter eine 6,5-prozentige Beteiligung an der Deutschen Bank, die von der politischen Krise in Italien negativ betroffen ist, aber auch aus unternehmensspezifischen Gründen unter Druck steht.

 Wir sind nicht der Meinung, dass die ausgeprägte Übergewichtung des Fonds in Italien ein Grund ist, das Rating dieser Strategie zu verändern, auch wenn diese Wette einiges an Aufmerksamkeit erfordert. Es entspricht dem Ansatz des Managers, in ungeliebte Aktien zu investieren, deren Wert unter dem Buchwert notiert. Das macht diesen Fonds zu einem der riskanteren Produkte unter den Euroland-Aktienfonds.

Über den Autor Barbara Claus

Barbara Claus  ist Senior Fondsanalystin bei Morningstar