Billig, billiger, Indexfonds: Die Gebührenspirale dreht sich weiter (abwärts)

Eine Zusammenfassung der jüngsten Runden des Preissenkungswettbewerbs. Und ein Hinweis, warum die sichtbaren Kosten nicht alles sind, was Indexfondsanleger beachten müssen.

Jose Garcia-Zarate 03.05.2018

Der Gebührenkrieg im Passivland geht weiter und weiter. Seit Anfang des Jahres haben etliche Anbieter von Indexfonds den Wettbewerb angeheizt und die Gebühren für ihre Produkte gesenkt. Oder sie sind gleich mit neuen, sehr günstigen Produkten auf den Markt gekommen. Blicken wir zurück: 

Im März lancierte Lyxor zwei US- und Großbritannien-ETFs, die Morningstar Indizes replizieren. Mit jährlichen Kosten von 0,04% sind diese Produkte sehr günstig. Im April senkte Xtrackers die Kosten für seinen EUR-Geldmarkt-ETFs von 0,15% auf 0,10%. Auch etliche US-Treasuries-ETFs der Deutsche-Bank-Tochter wurden um 3 bis 8 Basispunkte günstiger. Xtrackers bietet nunmehr konventionelle und inflationsgebundene US-Anleihe-ETFs für 0,12% an. In den EUR-gesicherten varianten fallen 0,17% an.  

Ebenfalls im April lancierte Fidelity sechs in Irland domizilierte nicht-börsennotierte Indexfonds, die ein Exposure zu Aktienindizes der USA, Europas, Japans, des asiatisch-pazifischen Raums und der globalen Schwellenländer anbieten. Die Kosten sind sehr günstig und belaufen sich auf zwischen 0,06% (für den S&P 500 Tracker) und 0,20% (für den MSCI Emerging Markets Fonds). Der in erster Linie für seine aktiv verwalteten Fonds bekannte Asset Manager forciert damit sein Indexfondsgeschäft und bringt in Europa preislich hochkompetitive Produkte auf den Markt. 

Der in erster Linie für seine aktiv verwalteten Fonds bekannte Asset Manager Fidelity forciert sein Indexfondsgeschäft und bringt preislich hochkompetitive Produkte auf den Markt

Gebührensenkungen machen gute Schlagzeilen, und wir wäre die letzten, die sich über darüber beschweren würden. Allerdings ist dieser Bericht über die jüngsten Preissenkungen eine gute Gelegenheit, Anleger daran zu erinnern, dass die laufenden Gebühren nicht die einzigen Kosten bei passiven Fonds sind. Tatsächlich gibt es mehrere, weniger sichtbare Kosten, die sich zu den Verwaltungsgebühren addieren und die Rendite eines Anlegers belasten. Viele dieser Kosten fallen beim An- und Verkaufs der Fonds an. 

Bei traditionellen Investmentfonds tragen Neu-Anleger die Transaktionskosten und Steuern (z.B. Stempelsteuer im Vereinigten Königreich), um bestehende Fondsinhaber nicht zu benachteiligen. Diese Ein-/Ausstiegskosten können in Form eines Spreads oder eines anderen Preismechanismus ausgedrückt werden. Bei ETFs, die wie Aktien an der Börse gehandelt werden, werden die Handelskosten für die Anleger in Form von Bid-Ask-Spreads und Maklerprovisionen berechnet. 

Transaktionskosten und Swap-Kosten schmälern die Performance

Transaktionskosten fallen aber auch im Fonds selbst an. Denn Indizes sind nicht statisch. Auch wenn die Umschlaghäufigkeit in aller Regel deutlich niedriger ist als bei aktiv verwalteten Fonds, so werden die Gewichtungen im Zuge der regelmäßigen Indexanpassungen verändert. Man spricht vom so genannten Rebalancing. 

Physisch replizierte Indexfonds und ETFs müssen diese Veränderungen direkt widerspiegeln, und die Kosten schlagen sich direkt auf die Rendite der Fonds nieder. Synthetische ETFs, die die Performance des Index über einen Swap-Kontrakt mit einer Gegenpartei liefern, sind von diesen Kosten hingegen zwar nicht direkt betroffen. Die Höhe des Indexumsatzes wird jedoch im Rahmen der Verhandlung von Swap-Gebühren, die nicht in der laufenden Gebühr enthalten sind, berücksichtigt. 

Diese Transaktionskosten liegen außerhalb der Kontrolle des Anlegers. Die gute Nachricht ist, dass das passive Fondsmanagement hoch automatisiert ist und auf eine strikte Kostenkontrolle ausgerichtet ist. Auch werden Techniken zur Steigerung der Performance angewendet, etwa die Steueroptimierung und die Wertpapierleihe. 

Angesichts der Vielzahl von Gebühren ist es klar, dass ein Blick auf die laufenden Gebühren zwar ein guter Ausgangspunkt, aber nicht der einzige Weg ist, um die tatsächlichen Kosten eines Fonds zu taxieren. Eine zutreffendere Annäherung ist die Betrachtung der annualisierten Tracking-Differenz - also der Differenz der jährlichen Fonds-Renditen und seinem zugrunde liegenden Index. Diese Differenz gibt alle externen und anlegerspezifischen Kosten wider, die beim tatsächlichen Kauf (oder Verkauf) des Fonds anfallen.

 

Über den Autor

Jose Garcia-Zarate  is an ETF analyst with Morningstar UK.