Mit der Korrektur stockten die Zuflüsse

Februar-Volatilität machte vor allem Rentenfonds zu schaffen. Passive Vehikel zeigen sich indes von der Korrektur unbeeinflusst. Der monatliche Fonds-Absatzbericht für den Monat Februar.

Ali Masarwah 09.04.2018

Nachdem Fonds in Europa im Januar noch Absatzrekorde feiern konnten, zeigte der Februar ein eher nüchternes Bild. Die Risikobereitschaft der Anleger ging angesichts der Rückkehr der Marktvolatilität merklich zurück. Allerdings blieb der befürchtete Erdrutsch aus. Investoren reagierten also nicht mit Panikverkäufen auf die Aktienmarktkorrektur. Nach unseren Absatzschätzungen verzeichneten alle großen Kategorien deutlich niedrigere Nettoabsatzzahlen als im Januar. Netto gingen Langfristfonds (inklusive ETFs) 26,6 Milliarden Euro zu und blieben damit komfortabel im positiven Bereich.

Angesichts der zweistelligen Verluste an einigen Aktienmärkten lag die Nachfrage nach Aktienfonds im Februar bei überraschend soliden 13,7 Milliarden Euro. (Dies lag jedoch unter dem Durchschnitt der letzten 12 Monate von 16,6 Milliarden Euro.) Die Aktienkategorien Aktien Emerging Markets USA Standardwerte, Euroland Standardwerte und Aktien Asien ohne Japan verzeichneten eine starke Nachfrage, welche die Abflüsse aus den Kategorien Aktien global Standardwerte, europäische Standardwerte und Dividenden-Aktienfonds mehr als kompensierten. Wie weiter unten dargestellt wird, gab es auch eine große Diskrepanz zwischen der Nachfrage nach aktiven und passiven Fonds.

Am schlechtesten entwickelten sich die Rentenfonds mit einem Absatzminus von 5,3 Milliarden Euro. Mehrere Rentenfonds-Kategorien mussten erhebliche Abflüsse hinnehmen, darunter verschiedene hochverzinsliche sowie Investment-Grade-Rentenkategorien. Diese Abflüsse können jedoch nur teilweise als Wechsel von Investoren in den Risk-Off-Modus interpretiert werden, da sich einige andere risikobehaftete Bond-Kategorien wie z.B. Global Emerging Markets Bonds, im Vertrieb gut behaupteten.

Die Zuflüsse zu alternativen Fonds sanken auf ein Fünf-Monats-Tief, vor allem aufgrund rückläufiger Nachfrage nach den Kategorien Renten Long/Short, Multistrategy- und Equity Market Neutral. Die höchsten Zuflüsse verzeichneten Global-Macro-Fonds und Volatilitätsfonds.

Bei Mischfonds war die Korrektur im Februar sogar kaum spürbar. Mit einem Zufluss von 14,4 Milliarden Euro war der Februar der zweitstärkste Monat seit Mai 2017. Flexible, defensive und ausgewogene Euro-Fonds sowie Fonds in der heterogenen Kategorie "Sonstige Mischfonds" sahen die höchste Nachfrage.

Die Tatsache, dass Geldmarktfonds hohe Abflüsse von 38 Milliarden Euro hinnehmen mussten, bestätigt, dass die Anleger in Europa per saldo nicht in den Risk-Off-Modus gewechselt sind. Irische Geldmarktfonds verzeichneten Abflüsse von 16,5 Milliarden EUR, gefolgt von Geldmarktfonds mit Sitz in Frankreich und Luxemburg, die netto 14,7 Milliarden EUR bzw. 9,4 Milliarden EUR verloren.

Tabelle: Mittelflüsse in europäische Fonds im Februar

 

Aktiv vs. Passiv

Anleger haben sich im Februar resistent gegen die Legendenbildung der Fondsbranche gezeigt. Das Narrativ der aktiven Fondsmanager besagt, dass passive Fonds bei Anlegern in freundlichen Märkten beliebter sind, da so genannte Delta-One-Produkte 1:1 bei Aufwärtstrends profitieren. In Abschwungphasen sind dagegen aktive Fonds die Produkte der Wahl, da Fondsmanager das Risiko effizienter managen als passive Fonds. Diese Annahme führte jedoch nicht zu einem Umdenken bei Anlegern, im Gegenteil: Die Zuflüsse in passive Vehikel setzen sich unverdrossen fort, derweil die Nachfrage nach aktiv verwalteten Fonds deutlich absackte. Unseren Schätzungen zufolge verzeichneten passiv verwaltete Aktienfonds Nettozuflüsse von 9,4 Milliarden Euro, davon steuerten 5,3 Milliarden Euro Aktien-ETFs an. Bei aktiv verwalteten Aktienfonds sanken die Nettozuflüsse von 26,4 Milliarden Euro im Januar auf 4,3 Milliarden Euro im Februar.

Noch ausgeprägter war die Aktiv-Passiv-Trennlinie bei Rentenfonds. Passiv verwaltete Rentenfonds verzeichneten einen Nettozuflüsse von 1,7 Milliarden Euro. Die höchste Nachfrage verzeichneten US-Dollar- und Euro-Staatsanleihenfonds. Indes mussten aktiv verwaltete Rentenfonds Abflüsse von 7,0 Milliarden Euro hinnehmen, die vor allem aus Euro-Unternehmensanleihenfonds abflossen (2,8 Milliarden Euro), gefolgt von den Kategorien USD-Hochzinsanleihen und Hochzinsanleihen global, die netto 2,7 Milliarden Euro bzw. 2,4 Milliarden Euro verloren.

Tabelle: Nettoabsatz aktiv vs. Passiv im Februar

Die vollständige Version des Fonds-Absatzberichts für den Monat Februar, inklusive Mittelflüsse nach Kategorien, Anbietern und Einzelfonds finden Sie hier.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.