Niedrige Frauenquote im Asset Management nicht durch Performance erklärbar

Unsere quantitativen Analysten konnten in statistischen Tests nachweisen, dass die Frauenquote in den USA von unter 15 Prozent nichts mit der Performance der von ihnen verantworteten Fonds zu tun hat.

Ali Masarwah 13.03.2018

Die Welt des Fondsmanagements ist eine Domäne der Männer. In den USA, wo uns die verlässlichsten Daten vorliegen, schwankte die Frauenquote seit 1990 zwischen zehn und 15 Prozent. Das ist erschreckend wenig, auch im Vergleich zu anderen Berufsbildern wie etwa Juristen und Medizinern. Auch wenn das Vorurteil, wonach Geldangelegenheiten „Männersache“ seien, nicht ernsthaft als Grund für die geringe Anzahl an Fondsmanagerinnen herhalten kann, wurden über die Gründe für die mangelhafte Repräsentation keine handfesten Fakten ermittelt. 

Um der Ursache für die geringe Frauenquote in den USA systematisch auf den Grund zu gehen, haben meine Kolleginnen vom quantitativen Research, Madison Sargis und Kathryn Wing, unsere Datenbank befragt und die Performance von Fonds, die von Frauen gemanagt werden, mit solchen verglichen, die von Mixed-Gender Teams und Fonds, die nur von Männern verantwortet werden. Das Ergebnis entspricht, vorweggesagt, dem, was man ohnehin vermuten sollte: Dass Frauen im Asset Management unterrepräsentiert sind, hat nichts mit der Performance der von ihnen verantworteten Performance zu tun.

Bevor wir den dreigliedrigen Test kurz erläutern, einige Hinweise zum Untersuchungsgegenstand: Die Untersuchung umfasst den Zeitraum zwischen Januar 2003 und September 2017. Untersucht wurden über die Zeit 11.272 Fonds und 13.063 männliche und weibliche Fondsmanager. Die monatlich erfassten Manager lag bei rund 3.850; die Zahl der monatlich erfassten Fonds oszillierte zwischen 3.651 und 6.426. Untersucht wurden aktiv gemanagte Aktien- und Rentenfonds, die in den USA aufgelegt wurden. Die Untersuchung umfasst auch Fonds, die zwischenzeitlich liquidiert wurden; sie ist als Survivorship-bias frei. Es wurden nur solche Morningstar Kategorien berücksichtigt, in denen Morningstar Ratings vergeben werden. Das stellt sicher, dass die Analyse innerhalb homogener Gruppen stattfindet. 

  1. Fama-MacBeth Regression

In diesem statistischen Verfahren wurde in einer Cross-Sektoralen Regression getestet, ob das Geschlecht die Unterschiede zwischen Fondsrenditen erklären kann. Hierfür wurden vier strukturelle Fondscharakteristika kontrolliert, um den Einfluss des Genders zu isolieren: Gebühren, Fondsalter, Fondsvermögen und ob es sich um einen Dachfonds handelt. Die Daten unterstützen die These nicht, dass männliche Fondsmanager weiblichen überlegen sind. Nur bei Mixed-Gender Teams kam es bei Aktienfonds zu signifikant unterdurchschnittlichen Ergebnissen, die allerdings keine Relevanz für die o.g. These haben. 

Für kürzere Perioden ergab der Test interessante Teilergebnisse. So konnten Bondfonds, die nur von Frauen verwaltet werden, in den vergangenen drei Jahren sowie in der Zeit der Finanzkrise die besten Ergebnisse erzielen, was zu einer kumulierten Outperformance führte. Interessant ist auch, dass die Zahl der Rentenfonds, die von Frauen verwaltet werden, zugleich im Zeitablauf zurückging. 

Festzuhalten bleibt allerdings, dass in sieben der acht Regressionstests kein Zusammenhang zwischen Gender und Fondsperformance ermittelt wurde. 

  1. Portfolio-basierte Tests

Auch wenn Fama-McBeth Regressionen robustere Ergebnisse zutage fördert, haben wir in einem zweiten Testverfahren Portfolio-basierte Untersuchungen vorgenommen, die intuitiv einfacher zu erfassen sind. Dafür haben wir monatlich jeweils drei gleichgewichtete Fondsportfolios geschaffen, die von Männer, Frauen und gemischten Teams gemanagt wurden. Untersucht wurde die relative Performance von Aktien- und Rentenfonds gegenüber der jeweiligen Fondskategorie. 

Bei Rentenfonds haben Bondfonds, die von Frauen geleitet wurden, seit 2003 outperformt, und zwar um 35 Basispunkte jährlich. Mixed Gender Rentenfonds konnten um 16 Basispunkte outperformen, und männlich geleitete Rentenfonds outperformten um acht Basispunkte. 

Bei Aktienfonds lagen die männlich geleiteten Fonds um 24 Basispunkte jährlich vorn. Gemischte Managementteams erzielten die schlechtesten Ergebnisse mit einer Underperformance von jährlich neun Basispunkten. 

  1. Event-Studie

Schlussendlich wurde eine Event-Studie unternommen. Diese Tests heben auf die Erfahrungen der Anleger ab. Auch hier werden die USA-domizilierten Fonds nach den drei Gruppen Männer, Frauen und Mixed Gender sortiert. Dann wurde die Performance für Ein-, Drei-, Sechs-, Zwölf-, 36- und 60 Monatsperioden ermittelt. Diese Übung wurde monatlich für die Zeit zwischen 2003 und 2017 durchgeführt. Im Ergebnis konnten die von Frauen verantworteten Fondsgruppen sowohl bei Aktien als auch bei Renten die besten Ergebnisse erzielen. Am schlechtesten schnitten die männlich geführten Portfolios ab. Allerdings waren die Outperformance-Ergebnisse gegenüber der jeweiligen Fondskategorie niedrig. Beim Vergleich zwischen den drei Gender-Gruppen entwickelte sich die Outperformance der Frauen-Portfolios deutlich ab einem Zeitraum von Zwölfmonaten. 

Die vollständige Fassung der Studie in englischer Sprache können Sie hier kostenlos bestellen.

Quellenhinweis: Alle Analysen, die wir auf den deutschsprachigen Websites von Morningstar veröffentlichen, basieren auf unserem institutionellen Tool, Morningstar Direct, in dem alle Daten, Composites und Analysen von Morningstar aggregiert werden und das auch umfangreiche Portfolio- und Faktoranalysen ermöglicht. Mehr Informationen zu Morningstar Direct finden Sie hier: http://www.morningstar.com/products/direct

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.